Heimatforscher Siegmar Baron von Schultze Gallèra beschreibt eine Sage über die Flamme auf dem Roten Turm zu Halle. Demnach erscheine sich um Mitternacht des Dreikönigstages auf der Spitze des Turmes eine helle Feuerzunge. Die Mitternachtsstunde des Dreikönigstages (6. Januar) markiert das Ende der Rauhnächte. Es ist die Zeit, in der die Tore zwischen den Welten noch einen Spalt offenstehen, bevor sie sich für das restliche Jahr schließen. Die Feuerzunge: Sie ist kein zerstörerisches Feuer, sondern eine „hell glänzende Zunge“. In der Alchemie und Symbolik steht dies oft für die Erleuchtung oder das „höhere Wissen“. Dass sie auf dem Roten Turm erscheint, ist kein Zufall – er ist das stolze Wahrzeichen der städtischen Freiheit und ragt wie eine Antenne in die geistige Welt empor. Die Prüfung des Mutes: Die Sage verlangt eine Interaktion. Man darf nicht nur starren, man muss die Flamme ansprechen. Das erfordert die Überwindung der Urangst vor dem Übern...
"Es gibt Orte, an denen die Zeit dünn wird wie ein Schleier. Wo der Nebel von den Fluten der Saale aufsteigt und die Schatten der Geschichte über die alten Pfade kriechen. Wir folgen nicht den ausgetretenen Touristenpfaden, sondern spüren den Rissen im Stein nach. Tretet näher und lauscht – denn Mitteldeutschland vergisst seine Sagen nicht.“