Wer im fahlen Licht eines frühen Morgens über den Gertraudenfriedhof in Halle spaziert, spürt sie sofort: diese ganz besondere, andächtige Stille. Doch wer den Blick nach oben richtet, zur großen Terrasse vor der Feierhalle, blickt in das steinerne Antlitz zweier Giganten. Auf zehn Meter hohen Säulen thronen sie dort – zwei Akte, die den ewigen Kreislauf unserer Existenz bewachen. Auf der einen Seite: ein junger Mann, der stolz eine brennende Fackel gen Himmel streckt. Das pure, pulsierende Leben . Auf der anderen Seite: eine Frau, deren Fackel erloschen ist und nach unten zeigt. Der unausweichliche Tod . Heute wirken sie, als wären sie schon immer da gewesen. Doch hinter diesen Säulen verbirgt sich ein jahrzehntelanges Rätsel, das bis heute die Gemüter erhitzt. Der Tag, an dem das Leben und der Tod verschwanden Wir schreiben den Dezember 1988. Es ist die Endzeit der DDR, die Tage sind grau und die Nächte lang. Auf dem Friedhof herrscht gähnende Leere. Doch als die Friedhofsm...
"Es gibt Orte, an denen die Zeit dünn wird wie ein Schleier. Wo der Nebel von den Fluten der Saale aufsteigt und die Schatten der Geschichte über die alten Pfade kriechen. Wir folgen nicht den ausgetretenen Touristenpfaden, sondern spüren den Rissen im Stein nach. Tretet näher und lauscht – denn Mitteldeutschland vergisst seine Sagen nicht.“