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Der Wall

Heute erzähle ich wieder mal ein persönliches Erlebnis, Wanderer! Im Jahre 1975 war ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in den Sommerferien in dem Örtchen Kloster auf der Insel Hiddensee.   Zu Zeiten der DDR war es fast schon ein spezielles Privileg einen Urlaubsplatz auf dieser Insel zu ergattern.  Wir hatten gutes Wetter und es versprach ein traumhafter Urlaub zu werden.  Der einzige Makel bei diesem herrlichen Bade und Sonnenurlaub war der Brandungsschutz am Strand.  Dieser bestand nämlich nicht aus Buhnen , wie sonst an der Ostsee üblich, sondern aus unregelmäßig großen Granitbrocken die zu einem Wall entlang des Badestrandes aufgetürmt waren.  Der Wall war etwa 1,50 m hoch und 5m breit und hatte aller 500m einen Durchlass für Badegäste.  Das Besteigen oder Überklettern des Walls war streng verboten. Wenn einen der Bademeister erwischt hätte , gäbe es drakonische Strafen , hieß es , bis hin zum Verlassen der ...

Das 6. und 7. Buch Mose im Dom zu Merseburg

Man flüstert sich in den Dörfern im Umland der Saale seit Generationen Geschichten über jene Menschen zu,  die zu viel "wussten".  Wie den Gutsbesitzer N. aus Trebnitz.  Seine Felder blieben von Krähen verschont, seine Ernten fielen üppig aus, während der Acker des Nachbarn verödete.  Die Erklärung der einfachen Dorfleute?  Er besaß das 7. Buch Mose.   ​Das Gerücht besagt, dass tief im Inneren der Bibliothek des Merseburger Domkapitels, geschützt durch schwere Eisengitter, die echten Bücher Mose liegen.  Auch das 6. und 7. selbstredend,  Wanderer. Wer in der Lage ist, die darin verborgenen Formeln zu entziffern, überwindet Raum und Zeit – und dem stehen alle Schätze der Erde zu Gebote. Doch der Preis für dieses Wissen ist stets das innere Licht.  

Der Untersberg

Es gibt Orte auf dieser Erde, an denen die Gesetze von Raum und Zeit ihre Gültigkeit zu verlieren scheinen.  Der Untersberg nahe Berchtesgaden ist der vielleicht unheimlichste und faszinierendste unter Diesen.  Ein gewaltiges Massiv, durchzogen von weit verzweigten Höhlensystemen, das seit Jahrhunderten Geschichten von spurlos Verschwundenen, Zeitsprüngen und Begegnungen mit den Wesen der Tiefe speist.   Mit über 400 bekannten Höhlen – darunter die Riesending-Schachthöhle, die über 1.100 Meter in die Tiefe reicht – bildet der Berg ein gigantisches, unterirdisches Wegenetz.   Seit dem Mittelalter dokumentieren Chroniken Fälle von Menschen, die am Untersberg für wenige Stunden den Pfad verließen und bei ihrer Rückkehr feststellen mussten, dass im Tal Tage, Monate oder gar Jahrzehnte vergangen waren.   ​ Neben Zeitanomalien berichten Kompassgänger und Wanderer immer wieder von extremen magnetischen Abweichungen und...

Die hohe Linde

Wo heute ein künstlicher Berg aus dunklem Schiefergestein steil in den Himmel ragt, erstreckte sich vor hunderten von Jahren dichtes Wald- und Weideland.  Eine lokale Überlieferung aus dem Sangerhäuser Umland erzählt von den Ursprüngen des Namens:  Die Sage von der verfluchten Linde am Hang Lange bevor die ersten Bergleute Schächte in die Erde trieben, stand an genau dieser Stelle eine uralte, riesige Linde.  Sie war so mächtig, dass unter ihren Zweigen eine ganze Rinderherde Schatten fand.  Die Alten im Dorf raunten, dass in den Wurzeln der Linde ein Erdgeist wohnte, der das Schicksal des Kupfers im Boden hütete. Als im 20. Jahrhundert die Maschinen anrückten und der Bergbau im großen Stil begann, sollte die Linde gefällt werden, um Platz für das taube Gestein der Schächte zu machen.  Ein alter Bergmann warnte die Arbeiter: „Rührt die Linde nicht an! Wer ihren Stamm bricht, zieht den Zorn der Tiefe auf sich.  Der Berg wird wachsen, bis er den Baum versc...

Die alte Gärtnerei

Die Herkunft der Teiche: Die benachbarten Angersdorfer Teiche waren Anfang des 20. Jahrhunderts keine natürlichen Seen, sondern Tongruben (u.a. der Kuhnt’schen Ziegelei). Als der Lehmabbau um 1925/26 eingestellt wurde, liefen die tiefen Gruben voll Wasser (das wegen unterirdischer Salzadern bis heute leicht salzig ist). ​Die Entstehung der Gärtnerei: Der ton- und nährstoffreiche Boden am Rande der vollgelaufenen Gruben erwies sich als extrem fruchtbar. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand hier ein weitläufiger Gartenbau-Betrieb – die spätere „Alte Gärtnerei“. Hier wurden Rosen, Ziergehölze, Gemüsepflanzen und Blumen für die Märkte in Halle und Angersdorf gezüchtet. ​Der Rückzug des Menschen & Der Sieg der Natur: Nach der Wende und mit den Umstrukturierungen Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Betrieb aufgegeben.  Während andere alte Industriestandorte abgerissen oder überbaut wurden, passierte an den Angersdorfer Teichen etwas Wundervolles: Die Natur holte sich das L...

Die Erdenmütter am Saale-Durchbruch

 Die Einheimischen mieden das Hochufer an der Saale in den späten Herbstnächten seit jeher.  Man erzählte sich von den „Erdenmüttern“ – wachsamen Natur- und Ahnengeistern, die tief im Lehm der Steilhänge nisten. ​„Tritt nicht zu nah an den Hang, wenn der Saaknebel steigt“, warnten die alten Fischer. „Die Mütter suchen nach ihren Gaben.“ ​Wenn die Dämmerung das Flusstal verschlingt, soll aus den alten Grabenanlagen ein leises, rhythmisches Raunen dringen. Wer verweilt, hört das Flüstern von Stimmen, die weder Mensch noch Wind sind – das Verlangen der Erdenmütter nach Besänftigung und Respekt vor den Zyklen des Lebens und Sterbens.

Der Gotthardteich

In der merseburgischen Sagenwelt sind stehende Gewässer eng mit dem Glauben an launische Wassergeister und versunkene Schicksale verknüpft: ​Der Tribut des Wassers:  Ähnlich wie beim Merseburger Saaleaffen, dem man nachsagte, vor dem Johannistag alljährlich ein Menschenleben zu fordern, galt auch der Gotthardteich als Gewässer, das Verunglückte nicht leichtfertig freigibt. ​ Alte Anwohner erzählten von blassen, weiß gekleideten Schemen, die in kühlen Herbstnächten kurz über der Wasseroberfläche schweben – den Seelen derer nachspürend, die einst in den sumpfigen Ausläufern den Halt verloren. ​  In der Dämmerung schrieben Abergläubische das plötzliche Glucksen und das Rascheln im Schilf nicht dem Wind zu, sondern dem Hohnlachen heimischer Nixen, die unbedachte Wanderer vom Pfad locken wollten. Wenn das letzte Tageslicht hinter den Dächern Merseburgs verblasst, legt sich ein bleierner Schleier über den Gotthardteich.  Wo tagsüber Spaziergänger flanier...