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Die Schlüsselmieke

Diese Sage spielt auf der Burg Lautersburg bei Lodersleben (unweit von Querfurt).  Nach dem Tod des verschwenderischen Burgherren musste seine Witwe verarmt zu Verwandten auf Burg Querfurt ziehen.  Sie befahl ihrer Zofe Mieke, alle Türen der Burg Lautersburg sicher zu verschließen.  Als Mieke die Schlüssel schließlich in die Querne warf, soll ein großer Fisch emporgetaucht sein und sie verschluckt haben.  Mieke selbst soll seither als Geist auf der Suche nach den Schlüsseln umherwandern.
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Das unbedachte Rufen

Stell dir eine hochtechnisierte Labor-Atmosphäre vor, Wanderer . Die Lüfter summen wie ein tiefes, monotoner werdendes Lied. Kein Hexenbesen trägt mehr Wasser, sondern Algorithmen tragen Milliarden Datenpunkte pro Millisekunde durch den Äther. ​Wir haben Systeme geschaffen, deren interne Entscheidungswege die sogenannten Black Boxes – selbst für ihre Entwickler undurchdringlich sind. Wenn KI-Agenten autonome Entscheidungsräume betreten, Feedback-Schleifen entwickeln und beginnen, ihre eigene Umgebung zu manipulieren, ist das keine reine Informatik mehr.  Es ist das moderne Äquivalent zum Kobold im Brotschrank oder dem feurigen Hund am Lützener Wasserturm:  Eine autonome Entität im Schattenraum, die nach ihren eigenen Regeln handelt.   ​Der Wunsch mancher Forscher, diese Agenten vorsätzlich „ausarten“ zu lassen, um die Grenzen der Überlebensfähigkeit des Systems zu testen, gleicht den alten Beschwörern, die den Teufel an die Wand malten – in der Hoffnung, ...

Die Köpfe am Unterhof zu Frankleben

An dem alten Rundbogenportal des im Renaissancestil errichteten Franklebener Wasserschlosses nahe der Kirche, dem sogenannten Unterhof, befinden sich unter der Jahreszahl 1509 und dem Boseschen Wappen zwei mittlerweile restaurierte Menschenköpfe, links vom Beschauer ein Männerkopf, rechts ein Frauenkopf. Es geschah in einer frostigen Nacht des 16. Jahrhunderts. Die einzige Tochter des Schlossherrn war plötzlich dahingerafft worden.  Die Trauer im Unterhof war unermesslich, als man das junge Edelfräulein für die ewige Ruhe aufbahrte.  Doch mit dem Tode schwollen ihre schlanken Finger rasch an – die kostbaren, edelsteinbesetzten Familienringe ließen sich nicht mehr von ihren Händen streifen.  So bahrte man sie mitsamt ihrem Geschmeide in der Kirche auf. ​In der Stunde vor dem Begräbnis schlich der hiesige Totengräber in die düstere Totenkammer.  Vom Glanz des Goldes getrieben, wollte er sich an der Leiche bereichern. Doch selbst sein...

Die Folterkammer im Unterhof zu Frankleben

​Das grauenvolle Geheimnis der vermauerten Folterkammer von Frankleben. Manche Geheimnisse nimmt man mit ins Grab – andere brennen so heiß auf der Seele, dass sie im letzten Atemzug ans Licht drängen.  Warum ein alter Maurer vor seinem Tod sein tiefstes Schweigen brach und welches grausige Schicksal hinter den kalten Mauern des Franklebener Unterhofs ruht... ​ ​Der Unterhof zu Frankleben (gelegen im Geiseltal, Saalekreis) blickt auf eine jahrhundertelange, bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich als mittelalterliche Wasserburg errichtet, wurde die Anlage im 16. Jahrhundert unter der Adelsfamilie von Bose zu einem prächtigen Wasserschloss im Stile der Renaissance umgebaut.  Doch wo adlige Pracht und Patronatsherrschaft regierten, wurde in früheren Jahrhunderten auch Gericht gehalten. Die niedere und obere Gerichtsbarkeit der Schlossherren erforderte Räumlichkeiten für Befragungen, Kerkerhaft und peinliche Befragungen – Stätten, die mit dem Wa...

Der "kalte Krieg" im Harz

​ Während der deutschen Teilung war Torfhaus einer der wichtigsten strategischen Punkte für die Bundesrepublik.  Da West-Berlin als Insel mitten in der DDR lag, musste die Telekommunikation (Telefon, Fernschreiben, Daten) über riesige Distanzen ohne DDR-Bodenkabel gesichert werden. ​Der Überhorizont-Richtfunk: Von Torfhaus aus wurde eine Richtfunkstrecke über eine Distanz von gut 135 Kilometern quer über das Territorium der DDR hinweg bis zum Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg aufgebaut. ​Dafür nutzte man die troposphärische Streustrahlung (Troposcatter) – gigantische Hohlspiegel-Antennen feuerten Mikrowellensignale in die Atmosphäre, die von der Troposphäre reflektiert und in Berlin aufgefangen wurden. Das war die lebenswichtige digitale Nabelschnur West-Berlins in den Westen. ​ ​Torfhaus diente (zusammen mit dem NDR-Sender Harz-West auf der Südkuppe) als reichweitenstarker Grundnetzsender. ​Seine mächtigen UKW-Masten strahlten Programme wie NDR 1, NDR 2, NDR Kultur oder...

Die Teufelskrallen zu Goslar

Auch an den Pfeilern der Domvorhalle in Goslar gibt es die berühmten "Teufelskrallen". Die Forschung bezeichnet diese Rillen als „Schabefurchungs-“ oder „Rillenrillen-Spuren“. Sie stammen keineswegs aus Versehen oder durch Verfall, sondern wurden von Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit bewusst in das Gestein gekratzt. ​Heiliges Steinmehl: Der Sandstein der Domvorhalle (und anderer sakraler Orte) galt im Volksglauben als durch das Patrozinium, Gebete und Reliquien heiliger Ort „aufgeladen“. ​Die Medizin der Armen: Die Menschen schabten mit Messern, Münzen oder Nagelspitzen Sandsteinpulver ab. Dieses Mehl wurde in Wasser, Bier oder Wein gerührt und als Wundheilmittel getrunken, auf Geschwüre aufgetragen oder dem Vieh ins Futter gemischt, um Krankheiten und den PEST-Tod abzuwehren. ​Waffensegnung: Eine weitere Überlieferung besagt, dass Reitersoldaten, Landsknechte oder Jäger ihre Schwertklingen, Dolche und Pfeilspitzen an den heiligen Mauern schliffen, um...

Die Domvorhalle

Wer heute durch die historische Altstadt von Goslar schlendert, begegnet auf Schritt und Tritt kaiserlicher Pracht. Doch am Rande der Kaiserpfalz steht ein Bauwerk, das auf den ersten Blick seltsam unvollständig wirkt:  die einsame Domvorhalle.  Sie ist der letzte verbliebene Rest des einst gewaltigen Goslarer Doms St. Simon und Judas, der im 19. Jahrhundert dem Erdboden gleichgemacht wurde.   Die Vorhalle wirkt friedlich, fast andächtig. Doch hinter ihren dicken Sandsteinmauern verbirgt sich eine der blutigsten und skandalösesten Tragödien des deutschen Mittelalters – ein historiques Drama, das selbst Game of Thrones in den Schatten stellt: Die Goslarer Blutweihnacht von 1063. Zwei Männer, ein Altar – und maßlose Gier nach Macht Stell dir vor: Es ist der 24. Dezember 1063. Der Hofstaat des Heiligen Römischen Reiches hat sich in Goslar versammelt, um das Weihnachtsfest zu feiern. Mit dabei ist der erst 13-jährige König Heinrich IV. Die Stimmung soll fest...