Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom 2026 angezeigt.

Die Schlüsselmieke

Diese Sage spielt auf der Burg Lautersburg bei Lodersleben (unweit von Querfurt).  Nach dem Tod des verschwenderischen Burgherren musste seine Witwe verarmt zu Verwandten auf Burg Querfurt ziehen.  Sie befahl ihrer Zofe Mieke, alle Türen der Burg Lautersburg sicher zu verschließen.  Als Mieke die Schlüssel schließlich in die Querne warf, soll ein großer Fisch emporgetaucht sein und sie verschluckt haben.  Mieke selbst soll seither als Geist auf der Suche nach den Schlüsseln umherwandern.

Das unbedachte Rufen

Stell dir eine hochtechnisierte Labor-Atmosphäre vor, Wanderer . Die Lüfter summen wie ein tiefes, monotoner werdendes Lied. Kein Hexenbesen trägt mehr Wasser, sondern Algorithmen tragen Milliarden Datenpunkte pro Millisekunde durch den Äther. ​Wir haben Systeme geschaffen, deren interne Entscheidungswege die sogenannten Black Boxes – selbst für ihre Entwickler undurchdringlich sind. Wenn KI-Agenten autonome Entscheidungsräume betreten, Feedback-Schleifen entwickeln und beginnen, ihre eigene Umgebung zu manipulieren, ist das keine reine Informatik mehr.  Es ist das moderne Äquivalent zum Kobold im Brotschrank oder dem feurigen Hund am Lützener Wasserturm:  Eine autonome Entität im Schattenraum, die nach ihren eigenen Regeln handelt.   ​Der Wunsch mancher Forscher, diese Agenten vorsätzlich „ausarten“ zu lassen, um die Grenzen der Überlebensfähigkeit des Systems zu testen, gleicht den alten Beschwörern, die den Teufel an die Wand malten – in der Hoffnung, ...

Die Köpfe am Unterhof zu Frankleben

An dem alten Rundbogenportal des im Renaissancestil errichteten Franklebener Wasserschlosses nahe der Kirche, dem sogenannten Unterhof, befinden sich unter der Jahreszahl 1509 und dem Boseschen Wappen zwei mittlerweile restaurierte Menschenköpfe, links vom Beschauer ein Männerkopf, rechts ein Frauenkopf. Es geschah in einer frostigen Nacht des 16. Jahrhunderts. Die einzige Tochter des Schlossherrn war plötzlich dahingerafft worden.  Die Trauer im Unterhof war unermesslich, als man das junge Edelfräulein für die ewige Ruhe aufbahrte.  Doch mit dem Tode schwollen ihre schlanken Finger rasch an – die kostbaren, edelsteinbesetzten Familienringe ließen sich nicht mehr von ihren Händen streifen.  So bahrte man sie mitsamt ihrem Geschmeide in der Kirche auf. ​In der Stunde vor dem Begräbnis schlich der hiesige Totengräber in die düstere Totenkammer.  Vom Glanz des Goldes getrieben, wollte er sich an der Leiche bereichern. Doch selbst sein...

Die Folterkammer im Unterhof zu Frankleben

​Das grauenvolle Geheimnis der vermauerten Folterkammer von Frankleben. Manche Geheimnisse nimmt man mit ins Grab – andere brennen so heiß auf der Seele, dass sie im letzten Atemzug ans Licht drängen.  Warum ein alter Maurer vor seinem Tod sein tiefstes Schweigen brach und welches grausige Schicksal hinter den kalten Mauern des Franklebener Unterhofs ruht... ​ ​Der Unterhof zu Frankleben (gelegen im Geiseltal, Saalekreis) blickt auf eine jahrhundertelange, bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich als mittelalterliche Wasserburg errichtet, wurde die Anlage im 16. Jahrhundert unter der Adelsfamilie von Bose zu einem prächtigen Wasserschloss im Stile der Renaissance umgebaut.  Doch wo adlige Pracht und Patronatsherrschaft regierten, wurde in früheren Jahrhunderten auch Gericht gehalten. Die niedere und obere Gerichtsbarkeit der Schlossherren erforderte Räumlichkeiten für Befragungen, Kerkerhaft und peinliche Befragungen – Stätten, die mit dem Wa...

Der "kalte Krieg" im Harz

​ Während der deutschen Teilung war Torfhaus einer der wichtigsten strategischen Punkte für die Bundesrepublik.  Da West-Berlin als Insel mitten in der DDR lag, musste die Telekommunikation (Telefon, Fernschreiben, Daten) über riesige Distanzen ohne DDR-Bodenkabel gesichert werden. ​Der Überhorizont-Richtfunk: Von Torfhaus aus wurde eine Richtfunkstrecke über eine Distanz von gut 135 Kilometern quer über das Territorium der DDR hinweg bis zum Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg aufgebaut. ​Dafür nutzte man die troposphärische Streustrahlung (Troposcatter) – gigantische Hohlspiegel-Antennen feuerten Mikrowellensignale in die Atmosphäre, die von der Troposphäre reflektiert und in Berlin aufgefangen wurden. Das war die lebenswichtige digitale Nabelschnur West-Berlins in den Westen. ​ ​Torfhaus diente (zusammen mit dem NDR-Sender Harz-West auf der Südkuppe) als reichweitenstarker Grundnetzsender. ​Seine mächtigen UKW-Masten strahlten Programme wie NDR 1, NDR 2, NDR Kultur oder...

Die Teufelskrallen zu Goslar

Auch an den Pfeilern der Domvorhalle in Goslar gibt es die berühmten "Teufelskrallen". Die Forschung bezeichnet diese Rillen als „Schabefurchungs-“ oder „Rillenrillen-Spuren“. Sie stammen keineswegs aus Versehen oder durch Verfall, sondern wurden von Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit bewusst in das Gestein gekratzt. ​Heiliges Steinmehl: Der Sandstein der Domvorhalle (und anderer sakraler Orte) galt im Volksglauben als durch das Patrozinium, Gebete und Reliquien heiliger Ort „aufgeladen“. ​Die Medizin der Armen: Die Menschen schabten mit Messern, Münzen oder Nagelspitzen Sandsteinpulver ab. Dieses Mehl wurde in Wasser, Bier oder Wein gerührt und als Wundheilmittel getrunken, auf Geschwüre aufgetragen oder dem Vieh ins Futter gemischt, um Krankheiten und den PEST-Tod abzuwehren. ​Waffensegnung: Eine weitere Überlieferung besagt, dass Reitersoldaten, Landsknechte oder Jäger ihre Schwertklingen, Dolche und Pfeilspitzen an den heiligen Mauern schliffen, um...

Die Domvorhalle

Wer heute durch die historische Altstadt von Goslar schlendert, begegnet auf Schritt und Tritt kaiserlicher Pracht. Doch am Rande der Kaiserpfalz steht ein Bauwerk, das auf den ersten Blick seltsam unvollständig wirkt:  die einsame Domvorhalle.  Sie ist der letzte verbliebene Rest des einst gewaltigen Goslarer Doms St. Simon und Judas, der im 19. Jahrhundert dem Erdboden gleichgemacht wurde.   Die Vorhalle wirkt friedlich, fast andächtig. Doch hinter ihren dicken Sandsteinmauern verbirgt sich eine der blutigsten und skandalösesten Tragödien des deutschen Mittelalters – ein historiques Drama, das selbst Game of Thrones in den Schatten stellt: Die Goslarer Blutweihnacht von 1063. Zwei Männer, ein Altar – und maßlose Gier nach Macht Stell dir vor: Es ist der 24. Dezember 1063. Der Hofstaat des Heiligen Römischen Reiches hat sich in Goslar versammelt, um das Weihnachtsfest zu feiern. Mit dabei ist der erst 13-jährige König Heinrich IV. Die Stimmung soll fest...

Die Geister der Metalle

Es war ein stummer, vernebelter Morgen im dichten Dickicht des Harzes, als Ritter Ramm, der treue Jagdmann des Kaisers, sein Pferd an einen moosbewachsenen Felsen band.  Während der Ritter der Fährte eines Hirsches tief in den Forst folgte, wartete der Rappe in der Stille des Waldes.  Aber das Tier wurde unruhig.  Es scharrte mit dem schweren Eisenhuf im steinigen Boden, schlug Moos und Erde fort – bis ein heller, metallischer Klang durch die Schlucht schallte.   Als Ramm zurückkehrte, traute er seinen Augen nicht.  Im tiefen Abdruck des Pferdehufs schimmerte etwas im Gestein.  Eine mächtige Erzader lag bloß.  Der Rammelsberg war entdeckt – und mit ihm ein Reichtum, der Säcke von Silber und Tonnen von Blei in die Hallen der Kaiser spülte.   Doch wer dem Berg nimmt, muss ihm auch etwas geben.   Wer heute durch die engen, tropfenden Gänge des verfallenen Altmannschens Stollens schreitet, spürt ...

Der Bildstock

Eine filigrane Betsäule steht am Universitätsring in Halle.  Sie stammt aus der Spätgotik (um 1450) und gehört zu den ältesten und wertvollsten sakralen Kleindenkmalen der Stadt.  Das Sandsteinrelief zeigt die Kreuzigungsszene Christi.   Als die Pest in Halle wütete, verstarben die Bürger zu Tausenden. Die Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern waren so überfüllt, dass man die Toten nachts vor die Tore karren musste.  Ein angesehener hallescher Ratsherr, der fast seine gesamte Familie an den  schwarzen Tod verloren hatte, verfiel dem Wahn.  Er schwor in seiner Verzweiflung einen schrecklichen Eid: Wenn Gott seine letzte verbliebene Tochter rettete, würde er eine Säule errichten lassen, vor der jeder Vorübergehende ein Gebet für die armen Seelen sprechen müsse.  Starb sie jedoch auch, wollte er seinem Glauben entsagen.  Das Mädchen überlebte die Fiebernacht nicht.  Der Ratsherr brach sein Versprechen nicht nur, sondern fluchte ...

Der Wall

Heute erzähle ich wieder mal ein persönliches Erlebnis, Wanderer! Im Jahre 1975 war ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in den Sommerferien in dem Örtchen Kloster auf der Insel Hiddensee.   Zu Zeiten der DDR war es fast schon ein spezielles Privileg einen Urlaubsplatz auf dieser Insel zu ergattern.  Wir hatten gutes Wetter und es versprach ein traumhafter Urlaub zu werden.  Der einzige Makel bei diesem herrlichen Bade und Sonnenurlaub war der Brandungsschutz am Strand.  Dieser bestand nämlich nicht aus Buhnen , wie sonst an der Ostsee üblich, sondern aus unregelmäßig großen Granitbrocken die zu einem Wall entlang des Badestrandes aufgetürmt waren.  Der Wall war etwa 1,50 m hoch und 5m breit und hatte aller 500m einen Durchlass für Badegäste.  Das Besteigen oder Überklettern des Walls war streng verboten. Wenn einen der Bademeister erwischt hätte , gäbe es drakonische Strafen , hieß es , bis hin zum Verlassen der ...

Das 6. und 7. Buch Mose im Dom zu Merseburg

Man flüstert sich in den Dörfern im Umland der Saale seit Generationen Geschichten über jene Menschen zu,  die zu viel "wussten".  Wie den Gutsbesitzer N. aus Trebnitz.  Seine Felder blieben von Krähen verschont, seine Ernten fielen üppig aus, während der Acker des Nachbarn verödete.  Die Erklärung der einfachen Dorfleute?  Er besaß das 7. Buch Mose.   ​Das Gerücht besagt, dass tief im Inneren der Bibliothek des Merseburger Domkapitels, geschützt durch schwere Eisengitter, die echten Bücher Mose liegen.  Auch das 6. und 7. selbstredend,  Wanderer. Wer in der Lage ist, die darin verborgenen Formeln zu entziffern, überwindet Raum und Zeit – und dem stehen alle Schätze der Erde zu Gebote. Doch der Preis für dieses Wissen ist stets das innere Licht.  

Der Untersberg

Es gibt Orte auf dieser Erde, an denen die Gesetze von Raum und Zeit ihre Gültigkeit zu verlieren scheinen.  Der Untersberg nahe Berchtesgaden ist der vielleicht unheimlichste und faszinierendste unter Diesen.  Ein gewaltiges Massiv, durchzogen von weit verzweigten Höhlensystemen, das seit Jahrhunderten Geschichten von spurlos Verschwundenen, Zeitsprüngen und Begegnungen mit den Wesen der Tiefe speist.   Mit über 400 bekannten Höhlen – darunter die Riesending-Schachthöhle, die über 1.100 Meter in die Tiefe reicht – bildet der Berg ein gigantisches, unterirdisches Wegenetz.   Seit dem Mittelalter dokumentieren Chroniken Fälle von Menschen, die am Untersberg für wenige Stunden den Pfad verließen und bei ihrer Rückkehr feststellen mussten, dass im Tal Tage, Monate oder gar Jahrzehnte vergangen waren.   ​ Neben Zeitanomalien berichten Kompassgänger und Wanderer immer wieder von extremen magnetischen Abweichungen und...

Die hohe Linde

Wo heute ein künstlicher Berg aus dunklem Schiefergestein steil in den Himmel ragt, erstreckte sich vor hunderten von Jahren dichtes Wald- und Weideland.  Eine lokale Überlieferung aus dem Sangerhäuser Umland erzählt von den Ursprüngen des Namens:  Die Sage von der verfluchten Linde am Hang Lange bevor die ersten Bergleute Schächte in die Erde trieben, stand an genau dieser Stelle eine uralte, riesige Linde.  Sie war so mächtig, dass unter ihren Zweigen eine ganze Rinderherde Schatten fand.  Die Alten im Dorf raunten, dass in den Wurzeln der Linde ein Erdgeist wohnte, der das Schicksal des Kupfers im Boden hütete. Als im 20. Jahrhundert die Maschinen anrückten und der Bergbau im großen Stil begann, sollte die Linde gefällt werden, um Platz für das taube Gestein der Schächte zu machen.  Ein alter Bergmann warnte die Arbeiter: „Rührt die Linde nicht an! Wer ihren Stamm bricht, zieht den Zorn der Tiefe auf sich.  Der Berg wird wachsen, bis er den Baum versc...

Die alte Gärtnerei

Die Herkunft der Teiche: Die benachbarten Angersdorfer Teiche waren Anfang des 20. Jahrhunderts keine natürlichen Seen, sondern Tongruben (u.a. der Kuhnt’schen Ziegelei). Als der Lehmabbau um 1925/26 eingestellt wurde, liefen die tiefen Gruben voll Wasser (das wegen unterirdischer Salzadern bis heute leicht salzig ist). ​Die Entstehung der Gärtnerei: Der ton- und nährstoffreiche Boden am Rande der vollgelaufenen Gruben erwies sich als extrem fruchtbar. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand hier ein weitläufiger Gartenbau-Betrieb – die spätere „Alte Gärtnerei“. Hier wurden Rosen, Ziergehölze, Gemüsepflanzen und Blumen für die Märkte in Halle und Angersdorf gezüchtet. ​Der Rückzug des Menschen & Der Sieg der Natur: Nach der Wende und mit den Umstrukturierungen Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Betrieb aufgegeben.  Während andere alte Industriestandorte abgerissen oder überbaut wurden, passierte an den Angersdorfer Teichen etwas Wundervolles: Die Natur holte sich das L...

Die Erdenmütter am Saale-Durchbruch

 Die Einheimischen mieden das Hochufer an der Saale in den späten Herbstnächten seit jeher.  Man erzählte sich von den „Erdenmüttern“ – wachsamen Natur- und Ahnengeistern, die tief im Lehm der Steilhänge nisten. ​„Tritt nicht zu nah an den Hang, wenn der Saaknebel steigt“, warnten die alten Fischer. „Die Mütter suchen nach ihren Gaben.“ ​Wenn die Dämmerung das Flusstal verschlingt, soll aus den alten Grabenanlagen ein leises, rhythmisches Raunen dringen. Wer verweilt, hört das Flüstern von Stimmen, die weder Mensch noch Wind sind – das Verlangen der Erdenmütter nach Besänftigung und Respekt vor den Zyklen des Lebens und Sterbens.

Der Gotthardteich

In der merseburgischen Sagenwelt sind stehende Gewässer eng mit dem Glauben an launische Wassergeister und versunkene Schicksale verknüpft: ​Der Tribut des Wassers:  Ähnlich wie beim Merseburger Saaleaffen, dem man nachsagte, vor dem Johannistag alljährlich ein Menschenleben zu fordern, galt auch der Gotthardteich als Gewässer, das Verunglückte nicht leichtfertig freigibt. ​ Alte Anwohner erzählten von blassen, weiß gekleideten Schemen, die in kühlen Herbstnächten kurz über der Wasseroberfläche schweben – den Seelen derer nachspürend, die einst in den sumpfigen Ausläufern den Halt verloren. ​  In der Dämmerung schrieben Abergläubische das plötzliche Glucksen und das Rascheln im Schilf nicht dem Wind zu, sondern dem Hohnlachen heimischer Nixen, die unbedachte Wanderer vom Pfad locken wollten. Wenn das letzte Tageslicht hinter den Dächern Merseburgs verblasst, legt sich ein bleierner Schleier über den Gotthardteich.  Wo tagsüber Spaziergänger flanier...

Die Hunnenfurt

Wanderer, es gibt Orte, an denen die Zeit flüssig wird!  Wenn man im fahlen Licht der Blauen Stunde am Saaleufer bei Großkorbetha steht, wo das Wasser träge an den alten Wurzeln der Weiden vorbeizieht,  spürt man es ganz deutlich.  Hier, an einer der ältesten dokumentierten Furten der Region, brachen einst die gefürchteten Reiterhorden des Ostens durch die Strömung.  Der Uferschlamm bewahrt ihr Geheimnis, doch der Wind trägt es weiter.  Die Älteren erzählten sich hinter vorgehaltener Hand, dass in stürmischen Märznächten das Wasser der Saale plötzlich unnatürlich aufpeitscht.  Dann, so sagt die Sage, jagen die Geister der Hunnen wieder im Nebel über das Feld.  Ein raues, tiefes Flüstern zieht durch das Schilf...  Das unsterbliche Echo einer Schlacht, die niemals ganz endete.

Der Glüh-Kutscher

​Im 19. und 20. Jahrhundert war das hallesche Revier (überall im Mansfelder Land, im Geiseltal sowie im Raum Ammendorf, Dölau und Nietleben) von einem gigantischen Netz aus Schmalspur- und Industriebahnen durchzogen. ​ Besonders im Bereich Nietleben/Dölau (wo früher die Gruben „Granau“ und „Deutscher Goppel“ lagen) sowie im Raum Ammendorf/Schkopau fuhren etliche kleine elektrische oder dieselbetriebene Grubenloks.  Sie transportierten die frisch geförderte Rohbraunkohle direkt von den Tagebauen und Schächten zu den Brikettfabriken oder den Salinen in Halle. ​Schon ganz früh brauchte die Saline Halle Unmengen an Kohle zum Sieden der Sole.  Die Kohle wurde oft mit kleinen Werks- und Grubenbahnen vom Umland an die Peripherie transportiert. ​ Nach der Stilllegung der meisten Tagebaue und nach der Wende wurden viele Strecken rückgebaut. Viele Loks,  blieben oft als Denkmäler an ehemaligen Trassen, Zechenhöfen oder Freizeitgebieten (wie dem Heidesee oder...

Der Schlag der Vorsehung

Vor langer Zeit war im Dom zu Merseburg drei Wochen vor dem Absterben eines Domherren bei Nacht ein großer Tumult mit viel Lärm zu hören, der mit einem starken Schlag, als ob ein kräftiger Mann aus voller Kraft mit der geballten Faust einen gewaltigen Schlag täte, endete.  Sobald dies die Wächter vernahmen, deren etliche bei Tag und Nacht wegen der kostbaren Kleinodien in der Kirche wachten und Runden gingen, zeigten sie es am anderen Tag dem Kapitel an und vor allem dem Domherren, dessen Stuhl der Schlag getroffen hatte.  Für diesen hieß es nun in den wenigen Tagen, die er noch zu leben hatte, seine irdischen Angelegenheiten zu regeln und sich auf das himmlische Leben vorzubereiten. (Dr. H. Größler: -) Walter Saal, Sagen des Merseburger Landkreises KI generierter Inhalt,  Google Gemini/NanoBanana 2

Die Eselswiese

​ Diese Sage handelt wiederum vom Heiligen Brun von Querfurt (974–1009), einem bedeutenden Missionar und Erzbischof. Im Jahr 1008 plante Brun seine letzte große Reise, um die heidnischen Pruzzen (im heutigen Baltikum) zum Christentum zu bekehren. ​Als er die Burg Querfurt auf seinem Esel verließ, begleiteten ihn seine Brüder und Gefolgsleute ein Stück.  Doch auf einer Wiese, hart vor den Toren der Stadt, wurde das Tier plötzlich störrisch.  Der Esel setzte keinen Huf mehr vor den anderen. Kein gutes Zureden, keine Peitsche und keine Sporen konnten das Tier bewegen, den Weg fortzusetzen. ​Die Begleiter sahen darin ein böses Omen. Sie flehten Brun an, die Reise abzubrechen, da Gott offensichtlich nicht wolle, dass er diesen Weg gehe. Sie überredeten ihn, umzukehren, und Brun verbrachte eine weitere Nacht auf der Burg. ​Doch in der Nacht überkam Brun tiefe Traurigkeit. Er spürte, dass seine Berufung stärker war als das Omen eines Tieres. Gegen den Rat seiner Familie b...

Das Bündel

Ein Wanderer – nennen wir ihn einen Freund der Chronik – schritt in der sinkenden Dämmerung von Venenien her auf die geschichtsträchtige Neumarktbrücke zu. Die Silhouette des Doms erhob sich bereits wie ein drohender Wächter gegen den purpurnen Himmel, als er eine Gestalt auf der Brücke gewahrte. Eine Frau. ​Doch es war kein gewöhnliches Innehalten.  Ihre Bewegungen waren hastig, nervös, fast fiebrig.  Sie nestelte an ihrem Gewand, bis sie ein kleines, in bleiches Leinen gewickeltes Bündel hervorholte. ​Dann, ohne ein Wort, hob sie das Bündel und übergab es den kalten Fluten der Saale. ​Als sie den Zeugen bemerkte, der aus dem Schatten trat, stand ihr der Schrecken ins Gesicht geschrieben.  Es war der Blick einer Ertappten, die ein Geheimnis hütete, das älter ist als die Stadtmauern selbst.  Wortlos und eiligen Schrittes verschwand sie in der Dunkelheit, während das Wasser das Bündel unerbittlich mit sich riss. ​Was hat die Saale dort verschlu...

Das Gesicht des Schlosses

Wer die Augen schließt und dem Rauschen der Blätter im Park von Pansevitz lauscht, hört das Sterben einer Epoche. 1314 begann die Geschichte dieses Ortes unter der Macht derer von Krassow. 1597 setzten sie sich mit einem prachtvollen Herrenhaus ein Denkmal für die Ewigkeit. Doch Ewigkeit ist auf Rügen ein dehnbarer Begriff. ​Heute ist von der einstigen Pracht nur noch ein hohles, steinernes Skelett übrig. Wo einst Barone feierten und Generale Pläne schmiedeten, wachsen heute Farne aus dem Schutt. Wenn die Blaue Stunde den Wald in ein unheimliches, dämmriges Licht taucht, scheinen die verbliebenen Mauern der abgerissenen Nordfassade zu flüstern. Sie erzählen von der Vergänglichkeit menschlicher Macht und von den Schatten, die zwischen den fensterlosen Bögen hausen. Pansevitz tröstet uns nicht mit Romantik – es zeigt uns das unbarmherzige, wunderschöne Gesicht des Verfalls... ​Die Sagenwelt von Pansevitz speist sich aus zwei Quellen: dem radikalen architektonischen Eingriff d...

Das Mönchgut

Grüße von der Insel Rügen,  Wanderer ! Es gibt Orte, an denen die Zeit eine andere Dichte besitzt.  Wer am Abend am Bollwerk Baabe steht und den Blick über das dunkle Wasser des Having schweifen lässt, spürt die Melancholie des alten Grenzlandes.  Hier, wo einst der Mönchgraben die Halbinsel abschnitt, trennt heute das Baaber Bek zwei Welten.  Das Schilf flüstert im fahlen Licht der Dämmerung, und drüben in Moritzdorf ducken sich die reetgedeckten Fischerhäuser in die Dunkelheit, als bauten sie einen Schutzwall gegen die Geister der See. Wenn das kleine Holzboot des Fährmanns lautlos durch das schwarze Wasser gleitet, meint man fast, Charon selbst stünde am Ruder, um die Seelen der alten Zisterziensermönche über die Grenze zu bringen.  Am Bollwerk stirbt das Tageslicht langsam, und mit dem kriechenden Nebel erwachen die alten Sagen von Lindwürmern und schattenhaften Gestalten, die tief im Schlamm des Boddens auf ihre Stunde warten...   Es heißt, dass...

Der gierige Schuster

Diese Sage erzählt von einer Zeit, in der feindliche Truppen,  oft als räuberische Scharen oder schwedische Soldaten im Dreißigjährigen Krieg beschrieben, die reiche Stadt Mücheln plündern wollten.  Sie wussten jedoch, dass der Wächter auf der Eichstädter Warte sie frühzeitig entdecken und die Stadttore schließen lassen würde.  Also bestachen sie einen ansässigen Schuster mit einer beträchtlichen Summe Gold. ​ In der Nacht des geplanten Angriffs schlich der Schuster heimlich zur Eichstädter Warte.  Er überwältigte den treuen Wächter, schnitt das Seil der Sturmglocke durch und goss Wasser über das vorbereitete Signalfeuer, sodass kein Rauch aufsteigen konnte. ​Die Feinde überfielen die ahnungslose Stadt Mücheln und richteten großen Schaden an.  Doch der Verrat des Schusters blieb nicht unbemerkt.  Die überlebenden Bürger spürten den Verräter auf.  Zur Strafe für seine Gier wurde er laut der Sage direkt an den Mauern der Eichstädter Warte ger...