Wir schreiben den 29. August 1678 . Ein heißer Wind treibt die Flammen durch die Gassen von Querfurt. Im "Goldenen Löwen" sucht die fünfzehnjährige Anna Regina, Tochter des Münzmeisters, Schutz in der vermeintlichen Sicherheit des Kellers. Doch was als Zuflucht gedacht war, wird zur tödlichen Falle. Während die Stadt oben im Feuermeer versinkt, raubt der schleichende Qualm Anna Regina, ihren Tanten und einer Magd den Atem. Christian Lasse, vom Schmerz gezeichnet, schuf seiner Tochter ein Denkmal, das heute noch auf dem Querfurter Friedhof steht. Es ist ein stilles Zeugnis väterlicher Liebe, doch die Legende besagt, dass Anna Reginas Geist keine Ruhe fand. In Querfurt flüstert man sich zu: Wenn die Luft unnatürlich still wird und ein ferner Geruch von Brand in die Nase steigt, ohne dass eine Flamme zu sehen ist, dann wandelt die Brandjungfrau durch die Straßen. Sie erscheint als bleiche Gestalt in den Gewändern des 17. Jahrhunderts, ein stummes Warnsignal vor...
"Es gibt Orte, an denen die Zeit dünn wird wie ein Schleier. Wo der Nebel von den Fluten der Saale aufsteigt und die Schatten der Geschichte über die alten Pfade kriechen. Wir folgen nicht den ausgetretenen Touristenpfaden, sondern spüren den Rissen im Stein nach. Tretet näher und lauscht – denn Mitteldeutschland vergisst seine Sagen nicht.“