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Es werden Posts vom März, 2026 angezeigt.

Die Brandjungfrau

Wir schreiben den 29. August 1678 . Ein heißer Wind treibt die Flammen durch die Gassen von Querfurt. Im "Goldenen Löwen"  sucht die fünfzehnjährige Anna Regina, Tochter des Münzmeisters, Schutz in der vermeintlichen Sicherheit des Kellers. Doch was als Zuflucht gedacht war, wird zur tödlichen Falle. Während die Stadt oben im Feuermeer versinkt, raubt der schleichende Qualm Anna Regina, ihren Tanten und einer Magd den Atem. ​Christian Lasse, vom Schmerz gezeichnet, schuf seiner Tochter ein Denkmal, das heute noch auf dem Querfurter Friedhof steht. Es ist ein stilles Zeugnis väterlicher Liebe, doch die Legende besagt, dass Anna Reginas Geist keine Ruhe fand. ​In Querfurt flüstert man sich zu: Wenn die Luft unnatürlich still wird und ein ferner Geruch von Brand in die Nase steigt, ohne dass eine Flamme zu sehen ist, dann wandelt die Brandjungfrau durch die Straßen. Sie erscheint als bleiche Gestalt in den Gewändern des 17. Jahrhunderts, ein stummes Warnsignal vor...

Der Zug der Toten

Man sagt, wenn die Glocken der Marktkirche in Halle in einer bestimmten, tiefen Frequenz schwingen, beginnen die steinernen Figuren von Richard Horn zu atmen. Der Geiger setzt den Bogen an, und ein lautloser Ton vibriert durch die Kolumbarien vom Gertraudenfriedhof.  ​Es ist ein Marsch ohne Ziel, eine „Endlose Straße“. Die „Endlose Straße“ erinnert uns daran, dass wir alle Teil eines größeren Stroms sind. Doch hütet Euch davor, den Blick der steinernen Wanderer zu lange zu erwidern, wenn Ihr nachts am Gertraudenfriedhof vorbeigeht. Denn wer einmal den lautlosen Takt des Geigers hört, dessen Herz schlägt fortan ein klein wenig langsamer – im Rhythmus der Ewigkeit.

Der Einbetonierte in der Leunaer Saalebrücke

Als nach dem Ersten Weltkrieg der Bau der Bahnlinie von Leuna über Zöschen nach Leipzig wieder aufgenommen wurde, mußte man auf dem rechten Saaleufer eine Flutbrücke errichten, die aus Beton ge-schüttet wurde. Die Pfeiler waren schon betoniert und die Bogen ein-geschalt. Da stolperte eines Abends, die Nächte waren bereits emp-findlich kühl, ein Betrunkener über die Baustelle und fiel auf einen halbgeschütteten Bogen. Der abbindende Beton entwickelte eine angenehme Wärme, so daß der Trunkene sich auf ihm ausstreckte und einschlief.  Früh bei Arbeitsbeginn war er noch nicht munter, ward auch nicht von den Arbeitern bemerkt und mit einer Betonmischung überschüttet. Da wurde er zwar munter, konnte sich aber aus der zähen Masse nicht mehr allein befreien. Sein Rufen und Schreien wurde von dem Lärmen der Mischmaschinen und dem Rollen der Transportloren übertönt, so daß bald nichts mehr von ihm zu sehen war. Erst beim Ausschalen ent-deckte man die Hand des Toten am Bogenäußere...

Die Eselsbank im Dom zu Merseburg

Auf der rechten Seite des Gestühls im Hauptschiff des Merseburger Doms,  findet man die Eselsbank. Diese Bank ist separat von den anderen Bänken aufgestellt. Wer dort sitzen musste, sah auch von der Liturgie während des Gottesdienstes recht wenig und musste sich somit nurmehr auf das Zuhören beschränken.  An der äußeren Sitzwange ist ein Eselskopf eingeschnitzt. Als ich einmal den Dom besuchte , war gerade eine Führung im Gange. Die Leute standen im Mittelgang und hörten den Erläuterungen über die Orgel zu. Um die Führung nicht zu stören, wähle ich den Weg rechts vorbei.  In einem Wortfetzen aus der Führung, hörte ich ein Detail aus der Orgelgeschichte, dass ich noch nicht kannte. Ich hielt kurz inne , als sich aus der Führung ein älterer Mann löste und auf die Eselsbank zuging. Er hatte einen extrem sauberen Bart- und Haarschnitt und trug einen eleganten Anzug. Er packte die Bank an der Lehne und begann damit  die Bank hin und her zu kippeln....

Der Ritter zu Zscherben

An der äußeren Mauer der Kirche von Zscherben ist ein merkwürdiges Steinbild eingemauert, eine Figur, die auf einem Tier reitet und in der Hand hochaufgerecht ein Schwert trägt. Das Volk erzählt, der Stein wäre zum ewigen Angedenken an einen Reiter eingesetzt, der im Dreißigjährigen Kriege in die Kirche zum Raube habe einreiten wollen und sich als Strafe für solchen Frevel den Kopf an der Pforte der Kirche eingerannt habe.

Der rostige Wächter

Am Schlossgraben in Merseburg , in der Nähe des kleinen Turms steht ein alter rostiger Hydrant aus dem Jahre 1923.  Einst war er der Stolz der gesamten Brandbekämpfung, rot glänzend, wissend um seine historische Lage. Heute ist er noch immer rot , aber der Glanz ist nicht mehr. Das Rot ist vom Rost, den fast 100 Jahre darübergelegt haben. Manchmal des Abends, wenn die Stimmen der Schlossbesucher verhallt sind , geht er tief in sich und hofft auf den Klang eines Martinshorns in der Ferne...  Dann fangen seine Augen an zu glimmen und er weiss, dass immernoch, irgendwo ein Feuer gelöscht werden muss.

Der Graseweg

In der Nähe des alten Hallmarkts , dort wo heute das Pflaster die Schritte der Eiligen verschluckt, liegt eine Straße, deren Name ein düsteres Geheimnis birgt. Wer heute durch den Graseweg wandelt, ahnt nichts von den Schreien, die hier vor Jahrhunderten hinter verrammelten Türen erstarben. ​Wir schreiben das Jahr 1350. Der „Schwarze Tod“ ist über Halle hergefallen. Die Luft ist schwer vom Geruch des Verderbens, und die Angst regiert die Gassen. Doch im Graseweg schlug das Schicksal besonders unerbittlich zu. ​Die Legende besagt, dass der Rat der Stadt in seiner blinden Panik vor der Ansteckung eine Entscheidung traf, die heute noch das Blut in den Adern gefrieren lässt:  Man gab die Menschen im Graseweg auf. ​ Die totale Isolation: Alle Ausgänge der engen Gasse wurden nicht nur bewacht, sondern Stein für Stein vermauert und vernagelt . ​ Das Flehen der Lebendig-Begrabenen: Hinter den Barrikaden spielten sich Szenen ab, die kein menschliches Auge ertragen konnte...

Attilas Schwert

Eines Tages weidete ein Hirtenknabe seine Rinderherde auf den Feldern über der Saale. Da bemerkte er von ungefähr, daß ein Ochse am Bein blutete. Der Hirte ging zu dem Tier hin und sah dabei einen scharfen und harten Gegenstand aus der Erde hervorragen. Als er nachgrub, fand er ein großes Schwert, welches er dem finsteren und gewaltigen Hunnenkönig Attila verehrte.  Dieses Schwert gelangte später in den Besitz der Ungarnkönige und kam zu Kaiser Heinrich IV. Zeiten nach Merseburg. Des König Salomons Mutter vererbte es nämlich Herzog Otto von Bayern, da durch dessen Fürsprache Kaiser Heinrich IV. den König Salomon wieder in sein Amt eingesetzt und ihm seine Würden zurückgegeben hatte. Herzog Otto von Bayern schenkte das Schwert dem Markgrafen Dedi dem Jüngeren, der es Kaiser Heinrich schenkte, von dem es an den Grafen Ludolf oder Leuppold von Merseburg weiter verschenkt wurde. Stolz trug dieser wackere Rittersmann das seltene Waffenstück. Als er jedoch eines Tages auf ein...

Der Sprung in die Ewigkeit am Salzer

Südwestlich von Halle, dort wo die Erde tief aufgerissen wurde, um ihre Schätze preiszugeben, liegt ein Gewässer, das sein Geheimnis schon im Namen trägt: der „Salzer“ . Während andere Tagebaurestlöcher wie der Granauer See friedlich im Sonnenlicht glitzern, birgt der Angersdorfer Teich eine Bitterkeit, die nicht nur vom Salzgehalt seiner tiefen Solequellen rührt. ​Man erzählt sich in den nebligen Dämmerstunden von einer Frau, deren Herz schwerer war als der Lehm der Region. Der Tod hatte ihr den Gatten geraubt, und die Welt der Lebenden wurde für sie zu einem Kerker aus Einsamkeit. ​An einer jener namenlosen Anhöhen im hinteren Teil des Sees, wo das Schilf im Wind flüstert, suchte sie das Ende ihrer Qual. Doch das Schicksal der Region – geprägt von zähem Ton und unnachgiebigem Lehm – gewährte ihr kein sanftes Hinabgleiten in die Vergessenheit. ​ „Sie suchte die Tiefe, doch fand nur den Griff der Erde.“ ​Wie eine groteske Statue blieb sie im flachen Uferbereich stecke...

Der Berggeist von Zscherben

In den Kaligruben bei Zscherben in der Nähe von Halle zeigt sich oft ein Berggeist, der trägt große Stulpstiefel, gelbe lederne Hose und Blechhandschuhe, an denen vorne spizige Haken befindlich sind, so daß, wenn er einem im Zorn eine Ohrseige gibt, die Spuren davon ewig sichtbar bleiben. Ort: Kaligruben bei Zscherben (nahe Halle/Saale) Erscheinung: Eine schattenhafte Gestalt in Bergmannstracht – große Stulpstiefel, gelbe lederne Hosen und Blechhandschuhe. Besonderheit: An den Fingerspitzen seiner eisernen Handschuhe befinden sich spitze Haken. Legende: In den dunklen Flözen unter Zscherben, dort wo das Kalisalz unter harter Arbeit aus der Erde gebrochen wurde, ist man nie allein. Der Berggeist wacht über die Schätze der Tiefe. Er ist kein freundlicher Geselle; sein Zorn ist so unerbittlich wie das Gestein selbst. Wehe dem Bergmann, der ihn erzürnt! Ein Schlag mit seinen hakenbewehrten Blechhandschuhen – eine „Ohrfeige“ des Schattens – hinterlässt Narben, die niemals...

Der Püppchenstein

An dem Mühlrain" zwischen Geusa und Beuna liegt etwa auf halbem Wege zwischen den genannten Orten, jedoch noch in der Geusaer Flur, auf der westlichen Wegseite in der Nähe der Hochspannungslei-tung zwischen dem Leuna-Werk und der Grube Tannenberg (Braun-kohlen-Tagebau Neumark-Ost) ein gewaltiger Steinblock aus Braunkohlenquarzit. Schon seit alter Zeit war der Stein unter dem Namen „Totenstein" bekannt. Dieser Name soll daher rühren, daß in früheren Zeiten, als noch nicht jede Gemeinde ihren eigenen Friedhof hatte und die Geu-saer ihre Toten noch in Oberbeuna beerdigten, nach alter Gewohnheit die Sargträger an dieser Stelle ihre Iast absetzten, um sich etwas auszu-ruhen und zu verschnaufen. Gruselige Geschichten knüpften sich an diese Sitte und der Weg dort vorbei wurde in nächtlichen Stunden seit-her gemieden. Nach dem Volksmund soll unter dem Findling ein französischer Offi-zier begraben liegen. Zur Zeit der Franzosenherrschaft lag in Ober-beuna Einquartierung. E...

Der Ritter auf dem Lauchstädter Schlosse

Wenn der Mond bleich über den Türmen des Schlosses steht und der Wind das Knarren der alten Parkbäume bis in den Schlosshof trägt, mischt sich manchmal ein anderes Geräusch darunter. Es ist kein Hufschlag, wie man ihn von einem stolzen Schimmel erwarten würde. Es ist ein metallisches, rhythmisches Quietschen – das Geräusch von Eisen auf Stein. ​Es heißt, wer genau zur Geisterstunde an der Westseite des Schlosses verweilt, sieht ihn: Einen Ritter, dessen Harnisch im Mondlicht matt glänzt. Doch er führt kein Schwert im Gürtel und keinen Schild am Arm. Seine gepanzerten Handschuhe umklammern fest die Griffe einer schweren, hölzernen Sackkarre, die mit unsichtbarer, aber schwerer Last beladen scheint. ​Die Gestalt keucht nicht, sie flüstert nicht. Mit gesenktem Visier schiebt der Geist seine Karre unaufhaltsam über das Pflaster. Sein Ziel ist immer dieselbe Stelle im Mauerwerk – ein Bereich, der heute fest und unpassierbar erscheint. Doch für den Verfluchten öffnet sich der S...

Der Mann ohne Kopf im Schkeuditzer Wappen

Das Schkeuditzer Wappen bekommt man in der Stadt Schkeuditz selbst kaum noch zu sehen. Es befand sich auf einer Holztafel an dem inzwischen abgebrochenen Alten Rathaus und verschwand hier schon im vorigen Jahrhundert. Ein neues Wappen befindet sich im Giebelfeld des jetzigen Rathauses unter der Uhr und ein weiteres auf einem der bunten Glasfenster im Inneren des Treppenaufgangs. Das Wappen zeigt den heiligen Albanus, der angeblich aus England stammen soll und im Gartenfelde bei Mainz als Märtyrer des christlichen Glaubens durch die diokletianische Verfolgung im Jahre 303 sein Leben verlor.  Der Legende nach soll Albanus nach seiner Enthauptung seinen Kopf selbst an die Stätte seines Begräbnisses getragen haben, daher wird er im Wappenbild auch im weißen Sterbekleide mit dem Haupt in beiden Händen dargestellt.   Die Schkeuditzer erklären sich das Bild des Wappens aber nun folgendermaßen.  Albanus war ein Schkeuditzer, der, des Leinwanddiebstahls bezichtigt...

Die Waschfrau von der Leiha

Es war in einer jener Nächte, in denen der Mond sich hinter den Wolken versteckt wie ein Dieb vor dem Henker, als ein junger Bursche aus Bedra den Heimweg antrat. Der Wein aus den Freyburger Kellern floss noch warm und mutig durch seine Venen, und das Lachen des Zechgelages hallte in seinem Kopf wider – ein gefährlicher Schild gegen die Stille der Natur. ​Die Begegnung am Ufer ​Als er die Leiha bei Schortau erreichte, dort, wo das Bächlein silbrig und tückisch durch das Geiseltal gleitet, geschah es. Aus dem Nebel schälte sich eine Gestalt: Die Waschfrau . ​Kein Wort entwich ihren Lippen, doch ihre Bewegungen hatten eine unnatürliche, fließende Anmut. Sie winkte. Und wie unter einem Bann – vielleicht war es der Wein, vielleicht der Zauber der Nacht – folgte ihr der Jüngling. Sie führte ihn nicht etwa in eine bescheidene Hütte, sondern direkt an das schlammige Ufer. ​Das Festmahl der Schatten ​Dort, wo eigentlich nur Krötenrufe und das Rascheln des Schilfs zu erwarten w...

Das heilige Wasser

Es gibt Heiligtümer, die man nicht in prunkvollen Hallen findet, sondern in schlichten Glasflaschen mit Bügelverschluss.  In den Jahren, als das Land hinter Mauern lag, wurde das Wasser aus Bad Lauchstädt für viele zu einer Währung der Hoffnung – und für eine Frau zu einer Frage des Überlebens. Für sie, die nur noch eine Niere besaß, war dieses artesische Wasser kein bloßes Getränk; es war ein Elixier, das den Körper zusammenhielt. Ein Glas davon zu kosten, galt in ihrem Haus als höchstes Privileg. Doch Magie ist zerbrechlich und duldet keine Täuschung.  In einem Moment der Knappheit geschah das Unausweichliche: Der Versuch, das kostbare Gut mit gewöhnlichem Leitungswasser zu strecken. In dem Augenblick, als sich die Wasser vermischten, brach der Zauber. Das Erschrecken in ihren Augen war nicht die Sorge um die Chemie – es war die Furcht vor dem metaphysischen Echo. Den späteren Verlust ihrer verbliebenen Niere schrieb sie zeitlebens diesem einen, ritu...

Die Teufelskrallen im Dom zu Merseburg

Der Wind pfeift heute Nacht besonders rauh durch die Arkaden des Merseburger Kreuzganges. Mancher sagt, es sei nur ein Luftzug von der Saale, doch wir wissen es besser:  Es ist das  Schnauben eines Betrogenen, der vor Jahrhunderten an diesen Mauern scheiterte.   Es war die Zeit, als der Kreuzgang entstehen sollte. Ein Meister seines Fachs war bestellt, doch der Geist war müde, und die Steine wollten sich nicht dem Willen des Architekten beugen. In einer Sturmnacht, zwischen zerrissenen Pergamenten und verloschenen Kerzen, tat der Baumeister jenen verhängnisvollen Ausspruch, der die Grenzen zwischen den Welten dünn werden ließ: „Mag der Teufel das Werk vollenden, ich vermag es nicht!“   Man ruft den Beelzebub aber nicht ungestraft oder ohne einen Handel. Mit dem Geruch von Schwefel und einem Lächeln, das kälter war als der Winterfrost, trat der Gehörnte aus den Schatten. Der Pakt war schnell geschlossen: Ein vollkommener Bau gegen d...

Der Marienaltar in der Marktkirche zu Halle

Wer die Marktkirche Unser Lieben Frauen in Halle betritt, wird von der kühlen Pracht der Gotik empfangen. Doch hinter dem Weihrauch und den steinernen Zeugen verbirgt sich eine Geschichte, die nach Sehnsucht und frühem Tod riecht. ​Auf dem Altarblatt kniet er: Kardinal Albrecht . In seinem scharlachroten Mantel, demütig und doch machtvoll. Sein Blick ist starr auf die Himmelskönigin gerichtet. Doch wer ist die Frau auf der Mondsichel wirklich? Die offizielle Historie spricht von der Mutter Gottes. Das Volk aber – und wir Chronisten – wissen es besser. ​Man sagt, die Züge der Madonna seien die der Magdalena Rüdinger . Eine Bäckerstochter aus Mainz, die dem Kardinal weit mehr war als nur eine Untertanin. In der Renaissance war es ein gefährliches, aber verbreitetes Spiel: Die verbotene Geliebte wurde in den Farben der Unschuld gemalt, um sie für die Ewigkeit im Heiligtum zu halten. Eine Verschlüsselung der Lust im Haus des Herrn. Magdalena verstarb viel zu jung. Ihr früh...

Die Gabel im Merseburger Domplatzpflaster

Man erzählt sich, der Teufel habe den Bischof in seinen Gemächern im Schloss so sehr gereizt oder verspottet, dass Thilo in heiliger Raserei zu seiner Speisegabel griff und sie mit übermenschlicher Kraft nach der hämisch lachenden Erscheinung schleuderte.  Der Teufel wich aus, die Gabel sauste durch das Fenster und schlug mit solcher Wucht auf dem Domplatz ein, dass sich ihre Zinken tief in den harten Stein brannten. Das glühende Eisen hinterließ jenes Mal, das Ihr heute noch finden könnt.

Das eiserne Grab im Krebs-See

Der Graebsee . Ein Name, der wie „Grab“ klingt – und für manche wurde er genau dazu. ​Wo heute ein trügerisch stiller Wasserspiegel liegt, ragte einst ein 30 Meter hoher Kalkberg auf. Die Zementgier des Industriezeitalters fraß den Berg auf, bis nur noch ein tiefes Loch blieb – 17 Meter tief, mit tückischen Steilwänden, die wie die Krallen eines Ungeheuers in die Tiefe ziehen. Doch das gefährlichste Geheimnis des Sees ist nicht das Wasser selbst. ​Wer am Ufer steht und in das dunkle Grün starrt, ahnt nicht, was unter seinen Füßen im Schlamm ruht. Die Legende besagt, dass in den letzten, verzweifelten Tagen des Krieges oder kurz nach dem Einmarsch ein sowjetischer Panzer vom Typ T-34 den Halt verlor. Er stürzte in den damals noch aktiven oder bereits gefluteten Steinbruch. ​Das Schreckliche daran? Die Luken blieben versiegelt. ​Man flüstert sich in der damals entstehenden Neustadt zu, dass die Besatzung niemals entkommen konnte. Dort unten, in der ewigen Finsternis, wo ...

Der Nix von Passendorf

​Dort, wo der Kirchteich in Passendorf dunkel und unbewegt liegt, haust ein Wassergeist von unbeständigem Wesen. Man sagt, er sei nicht grundsätzlich böse, doch er fordert seinen Tribut. ​ Die Gestalt: Er erscheint oft als ein wohlhabend gekleideter Herr oder ein Jüngling mit auffallend grünen Rockschößen, an denen stets ein Saum nass ist. Manchmal zeigt er sich auch nur als ein ungewöhnlich großer Fisch, der silbrig unter der Wasseroberfläche blitzt. ​ Der Lockruf: Die Sage berichtet, dass der Nix besonders in den Abendstunden am Ufer sitzt und auf einer goldenen Harfe oder Flöte spielt. Die Musik ist so süß, dass Mensch und Tier wie betäubt zum Wasser gezogen werden. ​ Das Opfer: Es heißt, der Teich sei "grundlos" tief und bilde einen Trichter direkt in das Reich des Nix. Wer ihm zu nahe kommt, den zieht er mit kalten Händen hinab in seinen kristallenen Palast, aus dem es keine Rückkehr gibt.

Der Tod meldet sich

Man sagt, die Großen dieser Welt fürchten weder Schwert noch Schild, doch wenn der Schatten selbst an ihr Lager tritt, beugt sich auch die stolzeste Krone. ​Es war im Jahre des Herrn 973, als Kaiser Otto I. , den man den Großen nannte, in den dichten Wäldern längs der Saale, die Jagd suchte. Der Wald stand still an jenem Tag, als hätte das Wild bereits den Atem angehalten. Von der bleiernen Müdigkeit der Herrschaft und der Hatz überwältigt, ließ sich der Kaiser nieder. Sein Haupt ruhte auf dem Schoß eines treuen Ritters, das Moos sein Bett, das Rauschen der Blätter sein Schlaflied. ​Doch im Reich der Träume wartete kein Frieden. ​In der Schwärze seines Geistes erhob sich eine Gestalt, so gewaltig, dass sie die Wipfel der höchsten Eichen wie Grashalme überragte. Eine Frau, gehüllt in ein Gewand aus tiefster Umnachtung, das Gesicht ein Abgrund aus Schatten. Die Luft um sie her schmeckte nach Verfall und feuchter Erde. ​Mit einer Stimme, die wie mahlende Steine in der Tief...

Der Zöllner an der Markusbrücke

Zwischen Passendorf und der stolzen Stadt Halle verlief einst eine Grenze, die mehr als nur Länder trennte. Es war die Markusbrücke , die bis zum Schicksalsjahr 1815 preußisches von sächsischem Land schied. Hier, im fahlen Licht der Öllampen, stand das Zollhaus – und mit ihm ein Mann, dessen Gier größer war als sein Pflichtbewusstsein. ​Man sagt, der letzte Zöllner an dieser Brücke habe es mit der Wahrheit nie genau genommen. Während er von den ehrlichen Händlern den letzten Groschen presste, ließ er sich von Schmugglern, die Tabak und kostbaren Zucker aus Passendorf nach Halle brachten, nur zu gern bestechen. Doch wer die Gerechtigkeit im Diesseits umgeht, dem stellt sie im Jenseits ein Bein. ​Obwohl sein Leib auf dem Friedhof von Granau-Nietleben unter einer schweren Erde ruht, fand seine Seele den Weg zurück an den Ort seiner Sünden. Sein Geist ist an das dunkle Wasser des nahegelegenen Pfuhls und die hölzernen Planken der Brücke gekettet. ​"Wer in der Johan...