Südwestlich von Halle, dort wo die Erde tief aufgerissen wurde, um ihre Schätze preiszugeben, liegt ein Gewässer, das sein Geheimnis schon im Namen trägt: der „Salzer“. Während andere Tagebaurestlöcher wie der Granauer See friedlich im Sonnenlicht glitzern, birgt der Angersdorfer Teich eine Bitterkeit, die nicht nur vom Salzgehalt seiner tiefen Solequellen rührt.
Man erzählt sich in den nebligen Dämmerstunden von einer Frau, deren Herz schwerer war als der Lehm der Region. Der Tod hatte ihr den Gatten geraubt, und die Welt der Lebenden wurde für sie zu einem Kerker aus Einsamkeit.
An einer jener namenlosen Anhöhen im hinteren Teil des Sees, wo das Schilf im Wind flüstert, suchte sie das Ende ihrer Qual. Doch das Schicksal der Region – geprägt von zähem Ton und unnachgiebigem Lehm – gewährte ihr kein sanftes Hinabgleiten in die Vergessenheit.
„Sie suchte die Tiefe, doch fand nur den Griff der Erde.“
Wie eine groteske Statue blieb sie im flachen Uferbereich stecken, den Kopf tief im schlammigen Grund versenkt, während ihre Füße über der Wasseroberfläche den Passanten am nächsten Morgen ein Bild des Grauens boten. Es heißt, das salzige Wasser habe ihren Körper fast augenblicklich umschlungen, als wollte der See die Tränen der Witwe mit seinem eigenen Salz vereinen.
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