Direkt zum Hauptbereich

Der Sprung in die Ewigkeit am Salzer



Südwestlich von Halle, dort wo die Erde tief aufgerissen wurde, um ihre Schätze preiszugeben, liegt ein Gewässer, das sein Geheimnis schon im Namen trägt: der „Salzer“. Während andere Tagebaurestlöcher wie der Granauer See friedlich im Sonnenlicht glitzern, birgt der Angersdorfer Teich eine Bitterkeit, die nicht nur vom Salzgehalt seiner tiefen Solequellen rührt.

​Man erzählt sich in den nebligen Dämmerstunden von einer Frau, deren Herz schwerer war als der Lehm der Region. Der Tod hatte ihr den Gatten geraubt, und die Welt der Lebenden wurde für sie zu einem Kerker aus Einsamkeit.

​An einer jener namenlosen Anhöhen im hinteren Teil des Sees, wo das Schilf im Wind flüstert, suchte sie das Ende ihrer Qual. Doch das Schicksal der Region – geprägt von zähem Ton und unnachgiebigem Lehm – gewährte ihr kein sanftes Hinabgleiten in die Vergessenheit.

„Sie suchte die Tiefe, doch fand nur den Griff der Erde.“

​Wie eine groteske Statue blieb sie im flachen Uferbereich stecken, den Kopf tief im schlammigen Grund versenkt, während ihre Füße über der Wasseroberfläche den Passanten am nächsten Morgen ein Bild des Grauens boten. Es heißt, das salzige Wasser habe ihren Körper fast augenblicklich umschlungen, als wollte der See die Tränen der Witwe mit seinem eigenen Salz vereinen.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die schwarze Hand im Dom zu Xanten

Es gibt Orte, die einen Menschen nicht mehr loslassen. Meist ist es die Schönheit oder die Geschichte, die zu uns zurückkehrt, doch im Kreuzgang des Doms St. Viktor zu Xanten verbirgt sich eine weitaus dunklere Bindung.  Dort, wo das Licht nur spärlich durch die Maßwerkfenster fällt, ruht eine Grabplatte, die den Atem stocken lässt. ​Wer über die ausgetretenen Steine des Kreuzgangs wandelt, stößt unweigerlich auf eine Darstellung, die so gar nicht in die heilige Ordnung eines christlichen Gotteshauses zu passen scheint. Manche wollen darin den Gehörnten selbst erkennen, andere sehen eine gequälte Seele. Doch das Zentrum des Schauers ist die "Schwarze Hand" . ​Die Legende besagt, dass diese Hand nicht aus bloßer Steinmetzkunst entstand. Sie sei ein Siegel, ein spiritueller Anker in unserer Welt. ​Die Alten erzählen sich hinter vorgehaltener Hand: „Wer die schwarze Hand berührt, der verkauft ein Stück seiner Freiheit an den Dom.“ ​Es ist ein schleichender Fluch....

Die Eselsbank im Dom zu Merseburg

Auf der rechten Seite des Gestühls im Hauptschiff des Merseburger Doms,  findet man die Eselsbank. Diese Bank ist separat von den anderen Bänken aufgestellt. Wer dort sitzen musste, sah auch von der Liturgie während des Gottesdienstes recht wenig und musste sich somit nurmehr auf das Zuhören beschränken.  An der äußeren Sitzwange ist ein Eselskopf eingeschnitzt. Als ich einmal den Dom besuchte , war gerade eine Führung im Gange. Die Leute standen im Mittelgang und hörten den Erläuterungen über die Orgel zu. Um die Führung nicht zu stören, wähle ich den Weg rechts vorbei.  In einem Wortfetzen aus der Führung, hörte ich ein Detail aus der Orgelgeschichte, dass ich noch nicht kannte. Ich hielt kurz inne , als sich aus der Führung ein älterer Mann löste und auf die Eselsbank zuging. Er hatte einen extrem sauberen Bart- und Haarschnitt und trug einen eleganten Anzug. Er packte die Bank an der Lehne und begann damit  die Bank hin und her zu kippeln....

Das Haus des Scharfrichters zu Merseburg

Das Echo der Verdammten: Mein Erbe im Henkerhaus von Merseburg ​Jede Leidenschaft hat einen Ursprung. Meine Suche nach dem Mystischen begann nicht in einem Buch, sondern tief unter der Erde – an einem Ort, den die Sonne seit Jahrhunderten meidet. ​Willkommen in der Unteraltenburg 51 . ​In Merseburg kennt man dieses Anwesen unter dem Namen „Peuschels Gut“. Doch hinter der bürgerlichen Fassade verbirgt sich ein weitaus düstererer Name: Das Henkerhaus. Hier lebte einst der Scharfrichter der Stadt. Ein Mann, dessen Handwerk das Ende bedeutete und der deshalb wie ein Geist zwischen den Welten existieren musste. ​Der unsichtbare Pfad des Scharfrichters ​Man sagt, ein Henker durfte den heiligen Boden des Doms und das herrschaftliche Schloß nicht wie ein gewöhnlicher Bürger betreten. Er war ein notwendiges Übel, ein Ausgestoßer. Um ungesehen von seinem Wohnort zu seinem grausamen Arbeitsplatz zu gelangen, gab es einen geheimen, unterirdischen Weg. ​Unser Haus war der Ankerpunkt dieses...