Zwischen Passendorf und der stolzen Stadt Halle verlief einst eine Grenze, die mehr als nur Länder trennte. Es war die Markusbrücke, die bis zum Schicksalsjahr 1815 preußisches von sächsischem Land schied. Hier, im fahlen Licht der Öllampen, stand das Zollhaus – und mit ihm ein Mann, dessen Gier größer war als sein Pflichtbewusstsein.
Man sagt, der letzte Zöllner an dieser Brücke habe es mit der Wahrheit nie genau genommen. Während er von den ehrlichen Händlern den letzten Groschen presste, ließ er sich von Schmugglern, die Tabak und kostbaren Zucker aus Passendorf nach Halle brachten, nur zu gern bestechen. Doch wer die Gerechtigkeit im Diesseits umgeht, dem stellt sie im Jenseits ein Bein.
Obwohl sein Leib auf dem Friedhof von Granau-Nietleben unter einer schweren Erde ruht, fand seine Seele den Weg zurück an den Ort seiner Sünden. Sein Geist ist an das dunkle Wasser des nahegelegenen Pfuhls und die hölzernen Planken der Brücke gekettet.
"Wer in der Johannisnacht die Markusbrücke quert, hört das unheimliche Klappern von Münzen, die niemals einen Beutel füllen."
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