Wenn der Mond bleich über den Türmen des Schlosses steht und der Wind das Knarren der alten Parkbäume bis in den Schlosshof trägt, mischt sich manchmal ein anderes Geräusch darunter. Es ist kein Hufschlag, wie man ihn von einem stolzen Schimmel erwarten würde. Es ist ein metallisches, rhythmisches Quietschen – das Geräusch von Eisen auf Stein.
Es heißt, wer genau zur Geisterstunde an der Westseite des Schlosses verweilt, sieht ihn: Einen Ritter, dessen Harnisch im Mondlicht matt glänzt. Doch er führt kein Schwert im Gürtel und keinen Schild am Arm. Seine gepanzerten Handschuhe umklammern fest die Griffe einer schweren, hölzernen Sackkarre, die mit unsichtbarer, aber schwerer Last beladen scheint.
Die Gestalt keucht nicht, sie flüstert nicht. Mit gesenktem Visier schiebt der Geist seine Karre unaufhaltsam über das Pflaster. Sein Ziel ist immer dieselbe Stelle im Mauerwerk – ein Bereich, der heute fest und unpassierbar erscheint. Doch für den Verfluchten öffnet sich der Stein wie Nebel. Kurz bevor er die Wand berührt, hört man das Knirschen der Räder lauter werden, dann herrscht schlagartig Stille. Die Mauer hat ihn und seine Last verschlungen.
Man sagt, es sei ein ehemaliger Verwalter des Schlosses, der die Handwerker um ihren Lohn prellte und Steine für den Bau seines eigenen Hauses beiseiteschaffte. Nun ist er dazu verdammt, jeden einzelnen Stein dieser Schuld bis zum Ende der Zeit in das Fundament des Schlosses zurückzubringen – ein Bauopfer der besonderen Art, das niemals vollendet wird.
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