Der Graebsee. Ein Name, der wie „Grab“ klingt – und für manche wurde er genau dazu.
Wo heute ein trügerisch stiller Wasserspiegel liegt, ragte einst ein 30 Meter hoher Kalkberg auf. Die Zementgier des Industriezeitalters fraß den Berg auf, bis nur noch ein tiefes Loch blieb – 17 Meter tief, mit tückischen Steilwänden, die wie die Krallen eines Ungeheuers in die Tiefe ziehen. Doch das gefährlichste Geheimnis des Sees ist nicht das Wasser selbst.
Wer am Ufer steht und in das dunkle Grün starrt, ahnt nicht, was unter seinen Füßen im Schlamm ruht. Die Legende besagt, dass in den letzten, verzweifelten Tagen des Krieges oder kurz nach dem Einmarsch ein sowjetischer Panzer vom Typ T-34 den Halt verlor. Er stürzte in den damals noch aktiven oder bereits gefluteten Steinbruch.
Das Schreckliche daran? Die Luken blieben versiegelt.
Man flüstert sich in der damals entstehenden Neustadt zu, dass die Besatzung niemals entkommen konnte. Dort unten, in der ewigen Finsternis, wo kein Sauerstoff das Metall zersetzt, sitzen sie noch heute. Konserviert von der Kälte und dem Druck, starren die Skelette durch die Winkelspiegel nach oben, während über ihnen das moderne Leben der Neustadt pulsiert. Sie sind die stummen Wächter einer vergangenen verzweifelten Ära.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen