Wer die Marktkirche Unser Lieben Frauen in Halle betritt, wird von der kühlen Pracht der Gotik empfangen. Doch hinter dem Weihrauch und den steinernen Zeugen verbirgt sich eine Geschichte, die nach Sehnsucht und frühem Tod riecht.
Auf dem Altarblatt kniet er: Kardinal Albrecht. In seinem scharlachroten Mantel, demütig und doch machtvoll. Sein Blick ist starr auf die Himmelskönigin gerichtet. Doch wer ist die Frau auf der Mondsichel wirklich? Die offizielle Historie spricht von der Mutter Gottes. Das Volk aber – und wir Chronisten – wissen es besser.
Man sagt, die Züge der Madonna seien die der Magdalena Rüdinger. Eine Bäckerstochter aus Mainz, die dem Kardinal weit mehr war als nur eine Untertanin. In der Renaissance war es ein gefährliches, aber verbreitetes Spiel: Die verbotene Geliebte wurde in den Farben der Unschuld gemalt, um sie für die Ewigkeit im Heiligtum zu halten. Eine Verschlüsselung der Lust im Haus des Herrn.
- Magdalena verstarb viel zu jung. Ihr früher Abschied ließ den Kardinal in einer Melancholie zurück, die er nur durch Kunst und Prunk zu betäuben wusste.
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