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Das Gesicht des Schlosses

Wer die Augen schließt und dem Rauschen der Blätter im Park von Pansevitz lauscht, hört das Sterben einer Epoche. 1314 begann die Geschichte dieses Ortes unter der Macht derer von Krassow. 1597 setzten sie sich mit einem prachtvollen Herrenhaus ein Denkmal für die Ewigkeit. Doch Ewigkeit ist auf Rügen ein dehnbarer Begriff.
​Heute ist von der einstigen Pracht nur noch ein hohles, steinernes Skelett übrig. Wo einst Barone feierten und Generale Pläne schmiedeten, wachsen heute Farne aus dem Schutt. Wenn die Blaue Stunde den Wald in ein unheimliches, dämmriges Licht taucht, scheinen die verbliebenen Mauern der abgerissenen Nordfassade zu flüstern. Sie erzählen von der Vergänglichkeit menschlicher Macht und von den Schatten, die zwischen den fensterlosen Bögen hausen. Pansevitz tröstet uns nicht mit Romantik – es zeigt uns das unbarmherzige, wunderschöne Gesicht des Verfalls...

​Die Sagenwelt von Pansevitz speist sich aus zwei Quellen: dem radikalen architektonischen Eingriff des 18. Jahrhunderts und der militärischen Geschichte der Familie von Krassow.
​Die Legende vom Gesicht des Schlosses:
Als im 18. Jahrhundert die nördlichen und östlichen Fassadenteile des Schlosses mutwillig herausgebrochen wurden, raunten die ansässigen Bauern, der Gutsherr habe dem Schloss „das Gesicht und die Seele genommen“. Seither, so die Urban Legend, wandert der Geist des Baumeisters von 1597 in nebligen Nächten durch den Park. Er sucht nach den gestohlenen Steinen der Renaissance-Fassade. Man hört ein rhythmisches, schabendes Geräusch auf den verbliebenen Mauern – wie eine Kelle, die vergeblich versucht, unsichtbaren Mörtel aufzustreichen.

​Das Echo des Generals:
Zudem wird geflüstert, dass der Geist des Generals Adam Philipp von Krassow keine Ruhe findet. Wenn der Herbststurm durch den herrschaftlichen Landschaftspark fegt und die alten Bäume ächzen lassen, wollen Spaziergänger das dumpfe Grollen von Trommeln und das Marschieren gestiefelter Füße im Unterholz gehört haben. Es heißt, Pansevitz ziehe die Seelen all jener Soldaten an, die einst unter den von Krassows in den Tod ritten.

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