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Das Mönchgut


Grüße von der Insel Rügen,  Wanderer !

Es gibt Orte, an denen die Zeit eine andere Dichte besitzt.
 Wer am Abend am Bollwerk Baabe steht und den Blick über das dunkle Wasser des Having schweifen lässt, spürt die Melancholie des alten Grenzlandes.
 Hier, wo einst der Mönchgraben die Halbinsel abschnitt, trennt heute das Baaber Bek zwei Welten.
 Das Schilf flüstert im fahlen Licht der Dämmerung, und drüben in Moritzdorf ducken sich die reetgedeckten Fischerhäuser in die Dunkelheit, als bauten sie einen Schutzwall gegen die Geister der See. Wenn das kleine Holzboot des Fährmanns lautlos durch das schwarze Wasser gleitet, meint man fast, Charon selbst stünde am Ruder, um die Seelen der alten Zisterziensermönche über die Grenze zu bringen. 
Am Bollwerk stirbt das Tageslicht langsam, und mit dem kriechenden Nebel erwachen die alten Sagen von Lindwürmern und schattenhaften Gestalten, die tief im Schlamm des Boddens auf ihre Stunde warten... 
 Es heißt, dass in den Nächten der Tagundnachtgleiche ein schweigendes Heer über den Bakenberg zieht. 
Es sind die Seelen slawischer Krieger der Ranen, die einst die nahe Tempelburg Arkona verteidigten, und skandinavischer Seefahrer, die in den tückischen Flachwassern des Boddens ihr Leben ließen. Wanderer berichten, dass das Heer absolut lautlos marschiert. Man hört keinen Schritt, kein Rüstungsgeklirr, doch die Kälte, die diese schattenhaften Legionen ausstrahlen, lässt das Blut in den Adern gefrieren. 

  An den steilen Hängen zum Bodden hin befindet sich eine Schlucht, die im Volksmund Nonnenloch genannt wird. 
Die Legende erzählt von Nonnen eines untergegangenen Klosters, die hier für ihre Sünden büßen müssen.
 Wer sich in einer nebligen Nacht dorthin verirrt, sieht ein schwaches, bläuliches Zirkulieren – ein Irrlicht, das unvorsichtige Wanderer an die tückische Abbruchkante lockt.

 Das strategische Bollwerk: Der Name „Bollwerk“ kommt nicht von ungefähr. Das Tief des Baaber Bek (das Verbindungsabwasser zwischen dem Selliner See und der Bucht Having) war über Jahrhunderte die einzige schiffbare Verbindung ins Innere von Mönchgut. Hier befand sich eine hölzerne Befestigung und Zollstation. Wer von der Ostsee in die geschützten Boddengewässer wollte, musste am Bollwerk vorbei. 


 Nur wenige Gehminuten entfernt zog sich der historische Mönchgraben quer über die Landenge. 
Er trennte das freie Rügen vom Herrschaftsgebiet der Zisterziensermönche des Klosters Eldena, die die Halbinsel ab 1252 bewirtschafteten. 
Das Bollwerk war die bewachte maritime Flanke dieser Grenze. Die historische Fähre: Seit 1896 existiert hier die Baaber Kurzfähre – eine der kleinsten und ältesten Ruderfähren Deutschlands.
 Der Fährmann zieht oder rudert Passagiere und Fahrräder über das nur rund 50 Meter breite Baaber Bek hinüber zur Halbinsel Moritzdorf. Ein jahrhundertealtes Handwerk, das bis heute im Takt der Gezeiten schlägt. 

 Die Nebelhexe vom Baaber Bek: Die Fischer erzählten sich in früheren Zeiten von einer weißen Gestalt – der Nebelhexe –, die in den kalten Herbst- und Frühjahrsmorgenden aus dem Schilf des Bek aufsteigt. Sie tanzt über das spiegelglatte Wasser des Selliner Sees hinüber zum Having. Wenn ein Fischer ihr in die Augen blickt, verliert er die Orientierung und läuft auf die tückischen Sandbänke auf. Erst wenn die Sonne den Nebel zerreißt, bricht ihr Bann. 

 Die tiefe Bucht des Having gilt in alten rügenschen Sagen als Zufluchtsort eines gewaltigen Lindwurms (Drachen), der einst in den dichten Buchenwäldern der Granitz hauste. Als die Mönche das Kreuz auf Mönchgut errichteten, floh die Bestie und stürzte sich in den Having. Man sagt, bei schweren Nordost-Stürmen peitscht der Lindwurm am Grund der Bucht mit dem Schwanz, was das Wasser des Boddens scheinbar grundlos und ohne Wellengang gefährlich brodeln lässt. 

 Schaut man vom Bollwerk über das Bek nach Moritzdorf, erblickt man den markanten Hügel mit der Wilhelmshöhe. 
Dort oben soll in mondlosen Nächten ein weißes Fräulein umgehen, das einen goldenen Schlüssel im Mund trägt. Sie sucht nach einem mutigen Seemann, der sie von ihrem Fluch erlöst – doch wer ihr zu nahe kommt, wird vom Wind erfasst und stürzt die steilen Hänge hinab ins dunkle Wasser.



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