Auch an den Pfeilern der Domvorhalle in Goslar gibt es die berühmten "Teufelskrallen".
Die Forschung bezeichnet diese Rillen als „Schabefurchungs-“ oder „Rillenrillen-Spuren“. Sie stammen keineswegs aus Versehen oder durch Verfall, sondern wurden von Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit bewusst in das Gestein gekratzt.
Heiliges Steinmehl: Der Sandstein der Domvorhalle (und anderer sakraler Orte) galt im Volksglauben als durch das Patrozinium, Gebete und Reliquien heiliger Ort „aufgeladen“.
Die Medizin der Armen: Die Menschen schabten mit Messern, Münzen oder Nagelspitzen Sandsteinpulver ab. Dieses Mehl wurde in Wasser, Bier oder Wein gerührt und als Wundheilmittel getrunken, auf Geschwüre aufgetragen oder dem Vieh ins Futter gemischt, um Krankheiten und den PEST-Tod abzuwehren.
Waffensegnung: Eine weitere Überlieferung besagt, dass Reitersoldaten, Landsknechte oder Jäger ihre Schwertklingen, Dolche und Pfeilspitzen an den heiligen Mauern schliffen, um ihnen im Kampf magische Durchschlagskraft zu verleihen.
Doch die Sage erzählt eine andere Geschichte, Wanderer.
Da sich der schlichte Volksglaube im Laufe der Jahrhunderte wandelte, entstand – genau wie in Merseburg, Magdeburg oder Bamberg – die volkstümliche Legende.
Als der Kaiser und die Bischöfe den mächtigen Goslarer Dom (den einstigen „Kaiserdom“) errichteten, wollte der Teufel das Werk um jeden Preis verhindern. Er versuchte in einer Gewitternacht, die gewaltigen Sandsteinpfeiler der Vorhalle mit seinen bloßen Händen umzureißen.
Doch das Bauwerk war durch die heiligen Reliquien im Inneren geschützt. Der Stein widerstand seiner dämonischen Kraft. Vor Wut fuhr der Leibhaftige mit seinen eisernen Krallen am Pfeiler hinab, schlug glühende Riefen in den Sandstein und musste unverrichteter Dinge fliehen, als die Morgenfeuer-Glocke schlug. Seine Krallenspuren aber blieben für alle Zeiten als Warnung im Stein eingebrannt.
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