Während der deutschen Teilung war Torfhaus einer der wichtigsten strategischen Punkte für die Bundesrepublik.
Da West-Berlin als Insel mitten in der DDR lag, musste die Telekommunikation (Telefon, Fernschreiben, Daten) über riesige Distanzen ohne DDR-Bodenkabel gesichert werden.
Der Überhorizont-Richtfunk: Von Torfhaus aus wurde eine Richtfunkstrecke über eine Distanz von gut 135 Kilometern quer über das Territorium der DDR hinweg bis zum Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg aufgebaut.
Dafür nutzte man die troposphärische Streustrahlung (Troposcatter) – gigantische Hohlspiegel-Antennen feuerten Mikrowellensignale in die Atmosphäre, die von der Troposphäre reflektiert und in Berlin aufgefangen wurden. Das war die lebenswichtige digitale Nabelschnur West-Berlins in den Westen.
Torfhaus diente (zusammen mit dem NDR-Sender Harz-West auf der Südkuppe) als reichweitenstarker Grundnetzsender.
Seine mächtigen UKW-Masten strahlten Programme wie NDR 1, NDR 2, NDR Kultur oder den Deutschlandfunk weit über die innerdeutsche Grenze hinaus.
Bis tief in die DDR hinein – nach Halle, Leipzig, Magdeburg und Thüringen – konnten die Menschen mit einfachen Radios die West-Sender empfangen („Feindsender“ im Jargon der DDR-Führung).
Für viele Bürger im Osten war das Signal aus Torfhaus das Fenster zur freien Welt.
Torfhaus liegt nur etwa 6 Kilometer Luftlinie vom Brockengipfel entfernt. Bis 1989 verlief direkt dazwischen im Eckertal die schwer bewachte innerdeutsche Grenze.
Auf dem Brocken saßen die Horchposten der Stasi (HA III) und des sowjetischen Geheimdienstes GRU, vollgestopft mit Abhörtechnik.
Auf West-Seite in Torfhaus und auf dem nahegelegenen Bocksberg standen wiederum die Abhör- und Funkstationen des BND, der Alliierten (US-Army / RAF) und des Bundesgrenzschutzes.
Die Masten von Torfhaus blickten ununterbrochen hinüber zur Brockenkuppe.
Wenn dichter Nebel den Harz einhüllte, hörte man das Ächzen der Masten im Wind – ein regelrechter Wettstreit der Antennen im Schatten der Grenze.
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