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Die Geister der Metalle

Es war ein stummer, vernebelter Morgen im dichten Dickicht des Harzes, als Ritter Ramm, der treue Jagdmann des Kaisers, sein Pferd an einen moosbewachsenen Felsen band. 
Während der Ritter der Fährte eines Hirsches tief in den Forst folgte, wartete der Rappe in der Stille des Waldes. 
Aber das Tier wurde unruhig. 
Es scharrte mit dem schweren Eisenhuf im steinigen Boden, schlug Moos und Erde fort – bis ein heller, metallischer Klang durch die Schlucht schallte. 
 Als Ramm zurückkehrte, traute er seinen Augen nicht.
 Im tiefen Abdruck des Pferdehufs schimmerte etwas im Gestein.
 Eine mächtige Erzader lag bloß. 
Der Rammelsberg war entdeckt – und mit ihm ein Reichtum, der Säcke von Silber und Tonnen von Blei in die Hallen der Kaiser spülte. 
 Doch wer dem Berg nimmt, muss ihm auch etwas geben. 
 Wer heute durch die engen, tropfenden Gänge des verfallenen Altmannschens Stollens schreitet, spürt rasch, dass die Stille hier unten keineswegs leer ist. 
Das Wasser tropft im gleichmäßigen Takt der Jahrhunderte von den schroffen Firsten. 
Das Licht der Grubenlampe schneidet nur spärlich durch den ewigen Dunst. Hier unten, wo der Sauerstoff dünn wird und das Gestein unter dem Druck der Jahrmillionen ächzt, lebt der alte Zauber fort. 
Die Bergführer raunen noch heute mit gesenkter Stimme von jenen Wesen, die mit der Ader freigelegt wurden: den Blei- und Silbergeistern. 

 „Wer den Berg schätzt, dem weist er den Weg. Wer ihn nur bestiehlt, dem zeigt er sein Grab.“

 Wenn das Metall zum Leben erwacht.
 Die Bergleute wussten genau, wann die Geister nahten. 
Wenn der Kerzenschein plötzlich eisblau aufflackerte und die Luft nach schwerem, kaltem Metall schmeckte, schlug die Stunde der Wächter. 
 Der Bleigeist: Schwer, träge, gebildet aus geschmolzenem, tropfendem Blei und giftigem Staub. Er stellt sich dem gierigen Bergmann wie eine undurchdringliche Mauer entgegen.
 Der Silbergeist: Ein hell glänzendes, scharfes Wesen aus gleißendem Schimmer. 
Er dagegen, blendet den Suchenden, verwirrt seinen Sinn und lockt ihn tief in die verlassenen,  Schächte, aus denen es keine Wiederkehr gibt. 
 So mancher Bergmann, den die reine Habgier trieb, soll im Altmannschen Stollen auf ewig die Orientierung verloren haben – gefangen in einer metallischen Kälte, die nicht von dieser Welt ist.



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