In der merseburgischen Sagenwelt sind stehende Gewässer eng mit dem Glauben an launische Wassergeister und versunkene Schicksale verknüpft:
Der Tribut des Wassers:
Ähnlich wie beim Merseburger Saaleaffen, dem man nachsagte, vor dem Johannistag alljährlich ein Menschenleben zu fordern, galt auch der Gotthardteich als Gewässer, das Verunglückte nicht leichtfertig freigibt.
Alte Anwohner erzählten von blassen, weiß gekleideten Schemen, die in kühlen Herbstnächten kurz über der Wasseroberfläche schweben – den Seelen derer nachspürend, die einst in den sumpfigen Ausläufern den Halt verloren.
In der Dämmerung schrieben Abergläubische das plötzliche Glucksen und das Rascheln im Schilf nicht dem Wind zu, sondern dem Hohnlachen heimischer Nixen, die unbedachte Wanderer vom Pfad locken wollten.
Wenn das letzte Tageslicht hinter den Dächern Merseburgs verblasst, legt sich ein bleierner Schleier über den Gotthardteich.
Wo tagsüber Spaziergänger flanieren, kräuselt sich das schwarze Wasser nun völlig ohne Wind. Wer zur Geisterstunde am Schilfgürtel verweilt, sieht im fahlen Dämmerlicht manchmal mehr als nur das eigene Spiegelbild – denn das alte Gewässer vergisst nicht, was einst in seinen Tiefen versank.
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