Es gibt Orte auf dieser Erde, an denen die Gesetze von Raum und Zeit ihre Gültigkeit zu verlieren scheinen.
Der Untersberg nahe Berchtesgaden ist der vielleicht unheimlichste und faszinierendste unter Diesen.
Ein gewaltiges Massiv, durchzogen von weit verzweigten Höhlensystemen, das seit Jahrhunderten Geschichten von spurlos Verschwundenen, Zeitsprüngen und Begegnungen mit den Wesen der Tiefe speist.
Mit über 400 bekannten Höhlen – darunter die Riesending-Schachthöhle, die über 1.100 Meter in die Tiefe reicht – bildet der Berg ein gigantisches, unterirdisches Wegenetz.
Seit dem Mittelalter dokumentieren Chroniken Fälle von Menschen, die am Untersberg für wenige Stunden den Pfad verließen und bei ihrer Rückkehr feststellen mussten, dass im Tal Tage, Monate oder gar Jahrzehnte vergangen waren.
Neben Zeitanomalien berichten Kompassgänger und Wanderer immer wieder von extremen magnetischen Abweichungen und unerklärlichen Lichterscheinungen über den Hochflächen.
Die Sage: Das Volk der Unterirdischen und die gefangene Zeit
Die alten Überlieferungen erzählen, dass der Untersberg nicht nur von schlafenden Kaisern bewacht wird, sondern die Heimat der Untersberger Zwerge und des unterirdischen Volkes ist.
Diese Wesen leben in prunkvollen, kristallenen Hallen tief im Inneren des Gesteins.
„Einst folgte ein junger Schäfer einem fremdartigen, silbrigen Leuchten in eine Felsspalte.
Er betrat eine Halle aus gläsernem Stein, in der edel gekleidete Gestalten ein zeitloses Fest feierten.
Man bot ihm Trank und Speise an, und der Schäfer verweilte gefühlt nur eine einzige Stunde, um dem wundersamen Gesang des Volkes zu lauschen.
Als er schließlich wieder ans Tageslicht trat, war seine Herde verschwunden, die Bäume am Hang waren gealtert und im Dorf kannte niemand mehr seinen Namen – denn es waren dreihundert Jahre wie im Fluge vergangen.“
Wer den Unterirdischen mit Ehrfurcht begegnet, dem weisen sie heilende Quellen oder Adern aus Edelmetall. Wer jedoch gierig oder spottend in ihr Reich eindringt, den verflechten sie in den Labyrinthen der Felsen, bis die Zeit ihn selbst verzehrt.
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