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Die hohe Linde

Wo heute ein künstlicher Berg aus dunklem Schiefergestein steil in den Himmel ragt, erstreckte sich vor hunderten von Jahren dichtes Wald- und Weideland. 
Eine lokale Überlieferung aus dem Sangerhäuser Umland erzählt von den Ursprüngen des Namens:
 Die Sage von der verfluchten Linde am Hang Lange bevor die ersten Bergleute Schächte in die Erde trieben, stand an genau dieser Stelle eine uralte, riesige Linde. 
Sie war so mächtig, dass unter ihren Zweigen eine ganze Rinderherde Schatten fand. 
Die Alten im Dorf raunten, dass in den Wurzeln der Linde ein Erdgeist wohnte, der das Schicksal des Kupfers im Boden hütete. Als im 20. Jahrhundert die Maschinen anrückten und der Bergbau im großen Stil begann, sollte die Linde gefällt werden, um Platz für das taube Gestein der Schächte zu machen. 
Ein alter Bergmann warnte die Arbeiter: „Rührt die Linde nicht an! Wer ihren Stamm bricht, zieht den Zorn der Tiefe auf sich. 
Der Berg wird wachsen, bis er den Baum verschlingt – und er wird erst Ruhe geben, wenn der letzte Bergmann den Schacht verlässt.“ Die Gesteinsmassen der Schächte wurden unaufhaltsam aufgeschüttet. 
Lore um Lore ergoss sich über den Hang. 

Die mächtige Linde wurde Jahr für Jahr weiter vom dunklen Schiefergestein verschluckt, bis schließlich auch ihre allerhöchste Krone unter dem tauben Gestein begraben lag.
 Die Alten sagen: Die Linde ist unter den Millionen Tonnen Schiefer nicht gestorben, sondern versteinert. 
Sie bildet das unsichtbare Herzstück im Inneren der Halde. 
Und die Prophezeiung des Bergmanns erfüllte sich: 
Der Berg wuchs so lange, bis der Kupferschieferabbau 1990 endgültig eingestellt wurde und die Schächte schlossen. 
Wenn der kalte Harzwind über die steilen Hänge der Hohen Linde pfeift, hört man – so raunt der Volksmund – noch immer das leise Rascheln der versteinerten Lindenblätter tief im Inneren der Pyramide.

 „Wer genau hinschaut, entdeckt im dunkelgrauen Schiefergestein oft ein feines, goldenes Schimmern – die Spuren von Kupferkies aus dem 250 Millionen Jahre alten Zechsteinmeer. Ein Stück Geschichte für die eigene Mineraliensammlung.“





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