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Die alte Gärtnerei


Die Herkunft der Teiche:
Die benachbarten Angersdorfer Teiche waren Anfang des 20. Jahrhunderts keine natürlichen Seen, sondern Tongruben (u.a. der Kuhnt’schen Ziegelei). Als der Lehmabbau um 1925/26 eingestellt wurde, liefen die tiefen Gruben voll Wasser (das wegen unterirdischer Salzadern bis heute leicht salzig ist).
​Die Entstehung der Gärtnerei:
Der ton- und nährstoffreiche Boden am Rande der vollgelaufenen Gruben erwies sich als extrem fruchtbar. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand hier ein weitläufiger Gartenbau-Betrieb – die spätere „Alte Gärtnerei“. Hier wurden Rosen, Ziergehölze, Gemüsepflanzen und Blumen für die Märkte in Halle und Angersdorf gezüchtet.
​Der Rückzug des Menschen & Der Sieg der Natur:
Nach der Wende und mit den Umstrukturierungen Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Betrieb aufgegeben. 
Während andere alte Industriestandorte abgerissen oder überbaut wurden, passierte an den Angersdorfer Teichen etwas Wundervolles: Die Natur holte sich das Land mit rasender Geschwindigkeit zurück. Die Glashäuser verfielen, Farne, Efeu, wilde Rosen und alte Baumriesen überwucherten die Mauern – und schufen ein einzigartiges Biotop.

​Nun aber zur Sage, Wanderer...
​Wo Gewächshäuser im Dickicht versinken und seltene Pflanzen mitten im Ruinenfeld blühen, entfaltet der Volksglaube seine ganz eigene Magie.
​Es wird erzählt, dass zur Zeit, als die Gärtnerei aufgegeben wurde, Bagger anrücken sollten, um das gesamte Gelände platt zu machen und die Natur für ein neues Gewerbegebiet wegzureißen.
​In der letzten Nacht vor dem geplanten Abriss zog ein seltsames, kühles Leuchten über die stillen Wasseroberflächen der Angersdorfer Teiche.
 Es war kein gewöhnlicher Nebel: Aus den tiefen Erlenbrüchen und den Schilfgürteln traten winzige, schimmernde Lichter hervor – die Naturgeister des Schilfs und des Lehms. Sie riefen nach ihrem König: Oberon, dem Herrscher des Elfenreiches.
​Die Sage raunt, dass Oberon, gerührt von den seltenen Zauberblumen und der Stille dieses versteckten Winkels, seinen Stab in den feuchten Lehmboden stieß und sprach:
​„Wo der Mensch sündigt und die Erde schändet, soll dieser Hain mein Eigen sein. Kein Eisen soll diese Mauern brechen, kein Feuer diesen Hain verbrennen.“

​Als am nächsten Morgen die Bauarbeiter mit ihren schweren Maschinen anrückten, geschah das Rätselhafte: Ein Bagger nach dem anderen versagte den Dienst.
 Die Motoren spuckten Wasser, Schläuche platzten, und dornige Brombeerranken schienen über Nacht meterhoch um die Räder gewachsen zu sein. Wann immer Investoren versuchten, das Gelände der Alten Gärtnerei zu roden, spielten die Maschinen verrückt oder die Pläne fielen durch mysteriöse Umstände ins Wasser.
​Seitdem, so heißt es im Volksmund, steht die „Alte Gärtnerei“ unter dem direkten Schutz von Oberons Elfenreich. Im Frühjahr und Sommer blühen hier Pflanzen, die es sonst im ganzen Saalkreis nicht mehr gibt. Und wer in einer klaren Vollmondnacht ganz leise an den alten Ziegelmauern steht, kann das feine, silberne Lachen der Naturgeister hören, die zwischen den Efeuranken tanzen ...


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