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Der heilige Laurentius und die Kaiserin Theophano


Besonders schwer lastete der Gewissensdruck über die Aufhebung des Merseburger Bistums auf der Kaiserin Theophano. Fort und fort quälte sie der Gedanke, daß ihr Gemahl dadurch eine schwere Schuld auf sich geladen habe. Bestärkt wurde die kaiserliche Witwe in diesem Glauben noch durch eine Erscheinung des heiligen Laurentius: In der Stille der dunklen Mitternacht trat er plötzlich in ihr Schlafgemach mit verstümmeltem rechten Arm. Erschrocken fuhr die Kaiserin von ihrem Lager empor. Mit gekreuzten Armen blickte sie ängstlich und stumm nach dem Heiligen. Dieser rief ihr zu: „Warum fragst Du nicht, wer ich bin?" Mit zitternder Stimme und kaum vernehmbar antwortete die Erschrockene: „Ich wage nicht, o Herr. Er aber fuhr in seiner Rede fort, indem er dabei auf seinen verstümmelten Arm zeigte, und sagte eindringlichst: „Ich bin der heilige Laurentius. Was Du hier an mir siehst, das hat Dein Eheherr mir angetan, indem er sich verführen ließ von dem, durch dessen Schuld eine große Menge von Auserwählten Christi in Zwietracht sind"

Seit dieser Zeit war die Kaiserin fort und fort bemüht, die Schuld ihres unglücklichen Gemahls zu sühnen.

Als ihr Sohn, der Kaiser Otto III., nach Rom zog, gab sie ihm eine große Summe Geldes mit, damit er am Grabe seines Vaters bete und opfere, trotz alledem wurde aber das Bistum auch unter der Regierung Otto III. nicht wieder hergestellt. 

Walter Saal, Sagen des Merseburger Landkreises 
(A. O. Reuschert: -)

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