Direkt zum Hauptbereich

Der Lauchstädter Stumpf


Es gibt Orte, die die Zeit vergessen hat, doch die Erinnerung krallt sich dort fest wie Rost an altem Stahl.
 Einer dieser Orte liegt am westlichen Rande Angersdorfs, dort, wo die einst lebendige Verbindung nach Bad Lauchstädt heute im Nichts endet. 
Seit dem Rückbau im Dezember 2014 ist die Strecke verstummt  doch die alten „Schlettauer“ wissen:
 Es ist eine merkwürdige Stille.
​Die Geschichte führt uns zurück in eine Zeit, als das Rattern der Triebwagen noch den Takt des Alltags bestimmte.
 Es war ein Moment menschlichen Versagens, so profan wie tödlich. 
Der Stellwerker auf W2, die Augen auf den Fahrplan gerichtet, den Geist schon beim nächsten Signal, vergaß die Seele im Gleisbett. Der Gleisarbeiter, gesandt zur Überprüfung der Weichen am Abzweig Lauchstädt, hatte keine Chance gegen das herannahende Ungetüm aus Stahl.
​Der "Lauchstädter Stumpf" – Ein Tor ?
​Was heute als der „Lauchstädter Stumpf“ bekannt ist – jenes letzte,  Stück Gleis,  scheint zu einem Ankerpunkt für das Jenseits geworden zu sein. 
Zeugen berichten von einer schemenhaften Gestalt in alter Reichsbahnuniform, die in nebligen Nächten mit einer alten Signallaterne die Schwellen abschreitet.
​ Es heißt, er suche nicht nach Erlösung, sondern nach der Strecke selbst. Wo einst Schienen lagen, die ihn „nach Hause“ oder zur nächsten Weiche führen sollten, klafft heute nur noch die Leere des Schotterbetts.
 Manche behaupten, das Klackern eines Phantom-Relais im alten Stellwerksbereich zu hören, kurz bevor die Temperatur spürbar sinkt.
 Ein letzter, verzweifelter Versuch, eine Fahrstraße zu sichern, die es längst nicht mehr gibt.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die schwarze Hand im Dom zu Xanten

Es gibt Orte, die einen Menschen nicht mehr loslassen. Meist ist es die Schönheit oder die Geschichte, die zu uns zurückkehrt, doch im Kreuzgang des Doms St. Viktor zu Xanten verbirgt sich eine weitaus dunklere Bindung.  Dort, wo das Licht nur spärlich durch die Maßwerkfenster fällt, ruht eine Grabplatte, die den Atem stocken lässt. ​Wer über die ausgetretenen Steine des Kreuzgangs wandelt, stößt unweigerlich auf eine Darstellung, die so gar nicht in die heilige Ordnung eines christlichen Gotteshauses zu passen scheint. Manche wollen darin den Gehörnten selbst erkennen, andere sehen eine gequälte Seele. Doch das Zentrum des Schauers ist die "Schwarze Hand" . ​Die Legende besagt, dass diese Hand nicht aus bloßer Steinmetzkunst entstand. Sie sei ein Siegel, ein spiritueller Anker in unserer Welt. ​Die Alten erzählen sich hinter vorgehaltener Hand: „Wer die schwarze Hand berührt, der verkauft ein Stück seiner Freiheit an den Dom.“ ​Es ist ein schleichender Fluch....

Die Eselsbank im Dom zu Merseburg

Auf der rechten Seite des Gestühls im Hauptschiff des Merseburger Doms,  findet man die Eselsbank. Diese Bank ist separat von den anderen Bänken aufgestellt. Wer dort sitzen musste, sah auch von der Liturgie während des Gottesdienstes recht wenig und musste sich somit nurmehr auf das Zuhören beschränken.  An der äußeren Sitzwange ist ein Eselskopf eingeschnitzt. Als ich einmal den Dom besuchte , war gerade eine Führung im Gange. Die Leute standen im Mittelgang und hörten den Erläuterungen über die Orgel zu. Um die Führung nicht zu stören, wähle ich den Weg rechts vorbei.  In einem Wortfetzen aus der Führung, hörte ich ein Detail aus der Orgelgeschichte, dass ich noch nicht kannte. Ich hielt kurz inne , als sich aus der Führung ein älterer Mann löste und auf die Eselsbank zuging. Er hatte einen extrem sauberen Bart- und Haarschnitt und trug einen eleganten Anzug. Er packte die Bank an der Lehne und begann damit  die Bank hin und her zu kippeln....

Das Haus des Scharfrichters zu Merseburg

Das Echo der Verdammten: Mein Erbe im Henkerhaus von Merseburg ​Jede Leidenschaft hat einen Ursprung. Meine Suche nach dem Mystischen begann nicht in einem Buch, sondern tief unter der Erde – an einem Ort, den die Sonne seit Jahrhunderten meidet. ​Willkommen in der Unteraltenburg 51 . ​In Merseburg kennt man dieses Anwesen unter dem Namen „Peuschels Gut“. Doch hinter der bürgerlichen Fassade verbirgt sich ein weitaus düstererer Name: Das Henkerhaus. Hier lebte einst der Scharfrichter der Stadt. Ein Mann, dessen Handwerk das Ende bedeutete und der deshalb wie ein Geist zwischen den Welten existieren musste. ​Der unsichtbare Pfad des Scharfrichters ​Man sagt, ein Henker durfte den heiligen Boden des Doms und das herrschaftliche Schloß nicht wie ein gewöhnlicher Bürger betreten. Er war ein notwendiges Übel, ein Ausgestoßer. Um ungesehen von seinem Wohnort zu seinem grausamen Arbeitsplatz zu gelangen, gab es einen geheimen, unterirdischen Weg. ​Unser Haus war der Ankerpunkt dieses...