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Die Seele im Beton

 Das Viadukt von Mücheln.

​Wer heute am Westufer des Geiseltalsees steht und den Blick über das glitzernde Wasser schweifen lässt, rechnet vielleicht mit unberührter Natur.
 Doch plötzlich bricht sich die Landschaft an einem Monument der Moderne: Sieben monumentale Bögen ragen am Hang empor – das Eisenbahn-Viadukt von Mücheln.
​Erbaut im Jahr 1964, entsprang diese Brücke keinem romantischen Jahrhundertwend-Gedanken, sondern purer industrieller Notwendigkeit.
 Der unersättliche Braunkohletagebau fraß sich damals unaufhaltsam durch das Geiseltal. 
Wo einst Dörfer standen, klaffte bald eine apokalyptische Mondlandschaft.
 Die Eisenbahnschienen mussten weichen, wanderten immer weiter an den Rand des Abgrunds, bis dieses 271 Meter lange Viadukt errichtet wurde.
​Vom Schlund der Erde zum glitzernden Meer
Das eigentlich Magische an diesem Pfad ist die Perspektive der Zeit. Jahrzehntelang ratterten die Züge über die sieben Bögen, während die Passagiere tief hinab in eine rauchende, von gigantischen Baggern zerfurchte Wunde der Erde blickten.
 Es war ein Blick in die industrielle Unterwelt.
​Heute ist die Grube verschwunden, geflutet von Milliarden Litern Wasser. 
Die Wunden der Erde sind geheilt, und das Viadukt hat seine Kulisse komplett getauscht. Wo einst Staub und Lärm regierten, herrscht heute eine fast mystische Stille.
 Besonders in den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel wie sanfter Geist über den Geiseltalsee kriecht und sich in den sieben Betonbögen verfängt, spürt man es deutlich: Dieses Viadukt ist der steinerne Torwächter zwischen der verlorenen Welt der versunkenen Dörfer tief unten im See und der neuen, blühenden Natur von heute. 
Ein wahrhaft magischer Pfad für Entdecker und Fotografen.

Das versunkene Land:
 Tief unter den heutigen Fluten des Geiseltalsees liegen die Geister und Überreste von insgesamt 16 komplett weggebaggerten Dörfern und Landschaften (wie Wernsdorf oder Körbisdorf). 
Das Viadukt steht wie ein steinernes Torwächter-Monument an der Kante zu diesem "versunkenen Reich".

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