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Die Totenandacht im Dom zu Merseburg


In der heiligen Osterzeit des Morgens früh, da es noch dunkelt, wackelt der alte Küster des Domstifts mit seinem Laternchen über den Schloßhof, um zur Frühmette zu läuten.
 Da, beim Eingang in die Kirche, huscht etwas an ihm vorüber; er blickt auf und sieht sich umgeben von
 schattenartigen Gestalten, unter denen er mehrere erst jüngst begrabene Personen erkennt.
 Entsetzt läßt er sein Laternchen fallen und entwischt zurück ins Kämmerlein. Beim Anbruch des Tages aber wird er zum Bischof entboten, der ihn hart anläßt, seiner Erzählung keinen Glauben beimißt und ihn mit schwerer Strafe bedroht, wenn er je das Läuten wieder verträumen sollte.

In der zweiten Nacht geht der verängstigte Küster denselben Weg, sieht weder rechts noch links, obgleich ihm manches verdächtig ist und tritt, an allen Gliedern zitternd, in den Dom. 
Hier blickt er auf und findet das Schiff der Kirche angefüllt von einer gespenstischen Gemeinde.
 Auf der Kanzel aber steht im weißen Predigerhemdchen ein schlotterndes Gerippe, das dem Eindringlinge seine dünnen Knochenhände entgegenschwenkt.
Die Domherren hören abermals kein Läuten, und der ergrimmte Bischof läßt beim Anbruche der dritten Nacht den Geisterseher samt seinem Bett in die Sakristei sperren, damit er 's ja nicht wieder verschliefe; und sollte es auch zum dritten Male nicht läuten, so würde er 's mit seinem Kopfe büßen, wird ihm versichert. Aber es hat dennoch nicht geläutet, und der Küster war verschwunden. Keine Spur war von ihm übrig, nur vor dem Hochaltare fand sich ein Häufchen Asche.

Walter Saal,  Sagen des Merseburger Landkreises 
(Wilhelm von Kügelgen: Aus den Jugenderinnerungen eines alten Mannes)

KI generierter Inhalt,  Google Gemini/NanoBanana 2

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