In der Nähe des Angers von Spergau, dort wo das Wasser des Dorfteiches heute still liegt, ragt ein verwitterter Stumpf aus der Erde. Für den eiligen Passanten ist es nur ein zerfressener Stein an der Kötzschener Straße 2. Doch für uns, die wir in den Schatten der Geschichte lesen, ist es das Pestkreuz.
Man schreibt das Jahr 1633. Der Dreißigjährige Krieg zerfrisst das Land, doch ein noch grausameres Ungeheuer schleicht durch die Gassen von Spergau: die Pest. 186 Seelen raffte der „Sensenmann“ in jenem Jahr hinweg. Besonders das Unterdorf wurde zum Geisterort; die Kataster von 1660 sprechen noch Jahrzehnte später von „wüsten Gehöften“, wo einst Leben herrschte.
Die Sage raunt, das Kreuz markiere exakt die Stelle, an der der letzte Pestfall des Dorfes gemeldet wurde. Ein steinerner Riegel gegen die Krankheit, ein Schlussstrich unter das Sterben. Doch die Chroniken sind unerbittlich: Zur Zeit der großen Not stand an diesem Platz noch gar kein Haus. Erst 1712 wurde hier wieder gebaut, auf dem „Platz am Kreuzstein“.
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