Man kennt Bad Dürrenberg heute für seine heilende Sole und das längste Gradierwerk Deutschlands. Doch die alten Salzsieder erzählten sich hinter vorgehaltener Hand von einer Gestalt, die sie den "Salzgrafen der Tiefe" nannten.
Es heißt, dass tief unter den massiven Schwarzdornwänden des Gradierwerks nicht nur Sole fließt, sondern ein verzweigtes System aus uralten Stollen existiert, die noch vor der dokumentierten Geschichte von Wesen gegraben wurden, die das Licht scheuen.
Die Geschichte:
Ein junger Siedergehilfe soll im 19. Jahrhundert während einer nebligen Nachtschicht beobachtet haben, wie ein kleiner, blasser Mann – kaum größer als ein Kind, aber mit dem Gesicht eines Greises – aus dem dichten Solenebel trat. Er trug einen Beutel bei sich, der so hell leuchtete, dass es die Augen schmerzte. Der Kleine legte einen glitzernden Kristall auf das Holz des Gradierwerks und flüsterte: "Was ihr nehmt, müsst ihr an anderer Stelle zurückgeben. Das Salz ist das Blut der Erde. Fließt es zu schnell, wird das Land hungrig."Kurz darauf verschwand die Gestalt im Boden.
Man sagt, wer heute bei Vollmond an den Gradierwerken entlanggeht und das Knistern des Salzes im Wind hört, könne manchmal das Echo einer fernen Hacke aus der Tiefe vernehmen – der Hüter, der immer noch über das "Blut der Erde" wacht.
Es gibt Orte, die einen Menschen nicht mehr loslassen. Meist ist es die Schönheit oder die Geschichte, die zu uns zurückkehrt, doch im Kreuzgang des Doms St. Viktor zu Xanten verbirgt sich eine weitaus dunklere Bindung. Dort, wo das Licht nur spärlich durch die Maßwerkfenster fällt, ruht eine Grabplatte, die den Atem stocken lässt. Wer über die ausgetretenen Steine des Kreuzgangs wandelt, stößt unweigerlich auf eine Darstellung, die so gar nicht in die heilige Ordnung eines christlichen Gotteshauses zu passen scheint. Manche wollen darin den Gehörnten selbst erkennen, andere sehen eine gequälte Seele. Doch das Zentrum des Schauers ist die "Schwarze Hand" . Die Legende besagt, dass diese Hand nicht aus bloßer Steinmetzkunst entstand. Sie sei ein Siegel, ein spiritueller Anker in unserer Welt. Die Alten erzählen sich hinter vorgehaltener Hand: „Wer die schwarze Hand berührt, der verkauft ein Stück seiner Freiheit an den Dom.“ Es ist ein schleichender Fluch....

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