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Die Hand Rudolfs im Dom zu Merseburg





Im Dom zu Merseburg wird eine mumifizierte Hand in einem Glaskästchen gezeigt. 
Mit ihr hat es folgende Bewandtnis:
 Unter Kaiser Heinrich IV. strebten die Fürsten nach größerer Selbständigkeit und vor allem erhoben sich die Sachsen gegen ihn. 
Auch der Papst zählte zu den Gegnern des Kaisers. Als nun die Unzufriedenen den Herzog Rudolf von Schwaben zum Gegenkaiser wählten,
stand auch der Bischof Werner von Merseburg auf der Seite Rudolfs, während Wiprecht von Groitzsch zu den Parteigängern Heinrichs gehörte. In den Auseinandersetzungen zwischen beiden kam es zum Kampf. Nicht weit von Merseburg, bei Hohenmölsen und Wiederau, fand die Entscheidungsschlacht der beiden Gegner statt. Wratislaw, der König der Böhmen, und Wiprecht standen treu zu ihrem kaiserlichen Herrn. Aber dieser wurde geschlagen. Da führten die beiden Getreuen ihren Herrn nach Böhmen hinweg. Doch auch Rudolf hatte in der Schlacht schweren Schaden erlitten. Er empfing durch einen Lanzenstich in den Leib eine tödliche Wunde, dazu wurde ihm im Kampfgetümmel von Gottfried von Lothringen durch einen wuchtigen Schwerthieb die rechte Hand abgeschlagen. Auf den Rat des befreundeten Bischofs Werner von Merseburg wurde der Unglückliche nach Merseburg gebracht. Als er sich einige Tage später in Merseburg dem Tode nahe fühlte, sagte er zu seinen Freunden: „ Seht meine rechte Hand, wund und verstümmelt. Mit ihr habe ich meinem Herrn Heinrich geschworen, ihn nicht zu kränken noch seinen Ruhm zu gefährden. Allein der apostolische Befehl und das Verlangen der Bischöfe hat mich verleidet, meinen Eid zu brechen und eine mir nicht gebührende Würde in Anspruch zu nehmen. Welch ein Ende ich nun nehme, seht ihr, da ich gerade an der Hand, mit der ich meinen Eid gebrochen habe, diese tödliche Wunde empfing. So mögen nun diejenigen, die mich hierzu eingesetzt haben, sehen, wohin sie mich gebracht haben, ob ich vielleicht gar von ihnen in den Abgrund ewigen Verderbens gestürzt bin." Und mit diesen Worten gab er voll schweren Herzens seinen Geist auf. Er wurde mit großer Pracht im Dom zu Merseburg zur Erde bestattet.

(Friedrich Sicber: Sächsische Sagen)



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