Eine Bauersfrau aus Schnellroda hat ihren Korb mit Eiern und frischem Gemüse beladen. Sie will die Erste auf dem Markt in Mücheln sein – ein mühsamer Fußmarsch, den sie im Schutz der Dunkelheit antritt um nicht bestohlen zu werden.
Doch die Dunkelheit schützt nicht immer; manchmal beobachtet sie uns nur.
Als sie den berüchtigten Katzenhügel erreicht, geschieht es. In der Ferne, dumpf und unerbittlich, schlägt die Glocke von St. Micheln zur Mitternacht. Mit dem zwölften Schlag verändert sich die Luft. Sie wird dick, klamm und schwer.
Plötzlich spürt die Frau einen Ruck. Ihr Tragekorb, eben noch leicht zu schultern, drückt sie mit übermenschlicher Gewalt in die Knie. Keuchend sieht sie sich um – und das Herz stockt ihr: Auf ihren Waren liegt ein Getreidebündel. Es ist staubig, strohig und doch scheint es eine Masse zu besitzen, die nicht von dieser Welt ist.
Niemand ist zu sehen. Keine Hand hat es dort abgelegt. Es ist einfach da.
Mit zitternden Knien und Schweiß auf der Stirn schleppt sie sich weiter. Jeder Schritt ist ein Kampf gegen die unsichtbare Last, die ihr fast das Rückgrat bricht. War es ein Frevler, der einst auf diesen Feldern stahl? Ein Geist, der seine Sünden in Form von Stroh und Halmen bis in alle Ewigkeit über den Hügel .
Erst als sie die andere Seite des Katzenhügels erreicht, bricht der Bann so jäh, wie er gekommen war. Die Schwere weicht. Der Korb wird leicht. Ein kurzer Blick zurück im fahlen Sternenlicht lässt sie gerade noch erkennen, wie das Bündel im Nichts zerfließt – ohne Geräusch, ohne eine Spur im Staub zu hinterlassen.
Die Frau erreichte den Markt von Mücheln bei Anbruch des Tages, doch das Zittern in ihren Händen blieb. Sie hatte etwas getragen, das nicht für sterbliche Schultern bestimmt war.
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