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Der vom Teufel geholte Bäcker in Schafstädt


​Es war vor mehr als 200 Jahren, als in dem beschaulichen Ort Schafstädt ein Bäckermeister sein Handwerk verrichtete. Doch war dieser Mann nicht für seine köstlichen Backwaren bekannt, sondern vielmehr für seinen unersättlichen Geiz und seine unbändige Habgier. Er kürzte das Brot, wo er nur konnte, machte es so leicht, dass es kaum etwas wog, und die Semmeln waren so klein, dass sie kaum einen Magen füllen konnten. Er betrog seine Kunden, wo er nur konnte, und häufte so Reichtum an, während die Menschen hungerten.

​Doch wie es so oft im Leben ist, währt die Ungerechtigkeit nicht ewig. Eines Tages, als der Bäcker wieder einmal seine winzigen Semmeln aus dem Ofen zog, erschien plötzlich der böse Feind in seiner Backstube. Er war gekommen, um den Geizhals für seine Unredlichkeit zu strafen. Mit eisernem Griff packte er den Bäcker und zog ihn unbarmherzig zur Tür hinaus auf die Straße. Der Bäcker schrie und wehrte sich mit aller Macht, versuchte sich an allem festzuhalten, was er erreichen konnte. Zuletzt klammerte er sich verzweifelt an einer Mauerkante fest.

​Das Geräusch der kämpfenden Männer und das Krachen der Steine, die der Bäcker aus der Mauer riss, hallte durch die nächtliche Stille Schafstädts. Bei diesem Gepolter – so sagt man – verschwand der böse Feind plötzlich so schnell, wie er gekommen war. Doch der geizige Bäcker wurde kurz darauf tot auf der Straße gefunden, seine gierigen Hände noch immer verkrampft, als hätte er versucht, sich an etwas Unsichtbarem festzuhalten.

​Man erzählt sich, dass der Geist des Bäckers seither den Schafstädter Bäckern oft erschienen ist. Er soll sie ernstlich gemahnt haben, das Brot größer zu machen und ihre Seele nicht mit einzubacken, denn der Preis der Habgier ist hoch.

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