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Der grausame Amtmann mit dem Glöckchen im Bart



Mit Schaudern erzählt man sich noch heute in Altranstädt von dem grausamen Amtmann Franz Wiedemann. Er hatte das Gut seines Bruders Benedikt nach dessen Tode an sich gerissen und behandelte seine Leute überaus hart. Kam er aufs Feld geritten und seine Arbeiter hatten nach seiner Meinung nicht genug vollbracht, so schlug er unbarm-herzig auf sie ein, so daß mancher an den Verletzungen starb oder mindestens längere Zeit krank darniederlag.

Seine Frau dagegen war sehr mild. Um die Arbeiter vor so harter Behandlung zu bewahren, knüpfte sie ihrem strengen Gemahl, als er einmal wunderbarerweise bei guter Laune war, ein Glöckchen in den Bart, so daß die Leute auf dem Felde sein Kommen hören konnten.
Einst entlief dem Wiedemann der Jagdhund. Zornentbrannt verfolgte er ihn bis an ein Bauernhaus in Miltitz. Vor der Hoftür stand eben die Frau des Besitzers, welche sich in gesegneten Umständen befand. Trotzdem schlug der Amtmann in ihrer Nähe den flüchtigen Hund auf der Stelle tot. Darüber war die Frau derart erschrocken, daß sie vorzei-tig niederkam und samt dem Kinde starb.

Der Amtmann wurde angeklagt und das gerichtliche Urteil lautete: Wer drei Seelen (Frau, Kind, Hund) ums Leben gebracht hat, muß ent-hauptet werden! Das geschah auch. Dann wurde die Leiche rücklings auf ein Pferd gebunden und nach Altranstädt zurückgebracht. Unter dem Altar liegt der gestrenge Herr samt seinem Kopf begraben. Auf seinem Grabstein von 1559 ist er mit dem Glöcklein im Bart dargestellt.

(A. O. Reuschert: Lehrer Bierfreund, Altranstädt) 
Sagen des Merseburger Landkreises 
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