Eine Wehmutter, die aus Eichstädt gebürtig war, erzählte: In Merseburg habe einmal ein Barbier nahe der Saale gewohnt. Seine Frau sei Hebamme gewesen. Einmal sei in einer dunklen Nacht, von der Neu-marktskirche hatte es gerade Mitternacht geschlagen, ein Weib vor des Barbiers Haus gekommen und habe zum Fenster hineingeschrieen: die Wehmutter solle doch herauskommen. Aber die wollte es anfänglich nicht tun, aber das Weib rief weiter nach ihr. Endlich ging sie dann doch hinaus, aber ihr Mann ging mit einem Licht mit. Da sie schon befürchtet hat, daß ein Nix nach der Wehmutter gerufen hatte, sah der Barbier nach den Beinen, von denen es tropfte. Der Barbier schalt den Nix tüchtig aus und hieß ihn gehen, worauf dieser in der Dunkelheit verschwand und nie wieder gesehen wurde.
(R. Jaeckel, A. O. Reuschert: )
Walter Saal, Sagen des Kreises Merseburg
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