Wanderer, habt ihr jemals vor einem Ort gestanden, der sich anfühlt, als gehöre er nicht in unsere Welt? Ein Ort, der geometrisch perfekt und doch vollkommen fremd in der Landschaft ruht?
Im Südwesten von Halle, dort wo die monumentalen Beton-Kathedralen von Halle-Neustadt in den Himmel ragen, erhebt sich ein rätselhafter Hügel. Zehn Meter hoch, fünfhundert Meter im Umfang. Ein Kegelstumpf, oben abgeplattet, wie ein Altar für einen Gott, dessen Namen wir vergessen haben.
Die Chroniken der Neuzeit sind präzise: Im Jahr 1969, als die ersten Pioniere der Chemiearbeiterstadt ihre Wohnungen bezogen, war dort nur flaches Land. Doch um 1972, fast über Nacht, war er da. Die offizielle Version der Baumeister klingt nüchtern: Bauaushub. Überschüssige Erde.
Im Volksmund hält sich ein Gerücht so zäh wie der Beton der Plattenbauten. Man flüstert von einer "unterirdischen Stadt". Einem Zentralschutzraum, tief im Bauch der Erde, geschaffen für den Fall eines ABC-Krieges. Während die Menschen oben ihrem Alltag nachgingen, soll tief unter dem Rasen des Hügels ein Labyrinth aus Gängen und Bunkern bereitgelegen haben – ein stählernes Spiegelbild unserer oberirdischen Welt.
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