Wenn die Glocken des Doms die Geisterstunde einläuten und der Nebel von der Saale heraufzieht, erwacht im Nordflügel des Merseburger Schlosses ein Grauen, das älter ist als das Mauerwerk selbst. Wer es wagt, zu dieser Stunde in den Korridoren des Schlosses zu verweilen, hört es zuerst: ein tiefes, kehliges Grollen, das nicht aus einer Kehle, sondern aus dem Boden selbst zu kommen scheint.
Er ist groß wie ein Kalb, sein Fell schwärzer als die Nacht, und seine Augen brennen wie Kohlen, die direkt aus der Hölle geraubt wurden. Der schwarze Hund von Merseburg patrouilliert nicht ohne Grund. Legenden besagen, dass er die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und den verborgenen Pfaden der Unterwelt bewacht.
Doch das Schloss ist nur sein Ruheplatz. Die wahre Schauergeschichte verbirgt sich unter den Pflastersteinen. Es existiert ein unterirdischer Gang, eine dunkle Arterie, die sich vom Schlossberg bis weit hinaus zum Stadtfeld windet. Dort, wo einst die berüchtigte Schinderhütte stand – ein Ort des Todes und der Ausgestoßenen –, wurde die Bestie oft gesichtet.
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