Es gibt Orte, die die Erde nicht behalten will. Das Roßbacher Denkmal, jenes Monument zu Ehren des Sieges Friedrichs des Großen über die Franzosen, war ein solcher Ort. 1958 verschlang es der gierige Schlund des Bergbaus, als hätte der Boden selbst genug von der Last der Geschichte. Doch was blieb, ist der Fluch des Schöpfers. Die Sage erzählt uns von einem Bildhauer, der sein Herzblut in den kalten Stein goss. Er schuf die Viktoria, die Siegesgöttin, stolz auf ihrem Ross. Doch kaum war der letzte Meißelschlag verhallt und das Tuch gefallen, begannen die Giftzungen zu flüstern. Habt ihr es gesehen? Der Damensattel: Die Viktoria sitzt zur Rechten, ein Frevel gegen die Etikette und die Natur des Reitens, da der Damensattel seit Äonen zur Linken liegt. Der Tanz des Todes: Das Ross erhebt sich auf den Hinterläufen – nicht wie ein Schlachtross im Zorn, sondern wie ein dressiertes Tier in der Manege eines Zirkus. Die falsche Richtung: Die Schwingen der Göttin tru...
"Es gibt Orte, an denen die Zeit dünn wird wie ein Schleier. Wo der Nebel von den Fluten der Saale aufsteigt und die Schatten der Geschichte über die alten Pfade kriechen. Wir folgen nicht den ausgetretenen Touristenpfaden, sondern spüren den Rissen im Stein nach. Tretet näher und lauscht – denn Mitteldeutschland vergisst seine Sagen nicht.“